KAMBODSCHA

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Nachdem Grenzübertritt von Thailand nach Kambodscha stiegen wir, anstatt in den nächsten Bus, in ein privates Taxi, welches uns eine wesentlich schnellere Fahrt ohne Stopps versprach. Wir hatten Platz, es gab eine Klimaanlage, Ben und ich konnten so viel Luxus (für Backpacker-Verhältnisse) kaum fassen und freuten uns auf dem schnellstem Weg an den Strand nach Sihanoukville zu kommen. 

Nach ungelogen gerade einmal 10 Minuten Fahrt bog der Fahrer jedoch in eine Werkstatt ein, bat uns auszusteigen und murmelte ein entschuldigendes „5 minutes“ … Wir witzelten noch „Ja, ja keine Stopps, schon klar…aber okay es sind ja nur 5 Minuten.“ Pustekuchen! Nach einer halben Stunde war der ganze Auspuff abgebaut und der Mechaniker fuhr auf seinem Roller davon. Wir fragten nochmal vorsichtig nach was jetzt Sache sei und waren drauf und dran unsere Sachen zu schnappen und einfach in ein anderes Taxi zu steigen. Das stellte sich aber schnell als unmöglich heraus, da unser Taxi auf der Hebebühne stand und unsere Rucksäcke in zwei Meter Höhe im Kofferraum lagen. Nach weiteren zehn Minuten kam der Mechaniker auf seinem Roller zurück, zückte ein offensichtlich wichtiges Ersatzteil für die Fahrtüchtigkeit des Wagens aus seiner Hosentasche und nach einer knapp einstündigen, unfreiwilligen Pause konnte es endlich weiter- besser gesagt losgehen. 

Grenzübertritt Thailand – Kambodscha
Warten, warten, warten

Die Laune hat uns diese kleine witzige Story aber keineswegs verhagelt, denn schließlich hieß es jetzt party on am kambodschanischen Ballermann in Sihanoukville! Bens Freund Gregor war „rein zufällig“ zur selben Zeit mit seiner Freundin Grit zu gegen und „rein zufällig“ hatte dieser auch noch Geburtstag. Gemeinsam mit Franzi bezog unsere nun fünfköpfige Reisegruppe ihre Bungalows direkt am Strand und das erste Bierchen im Meer, natürlich untermalt von einem Bilderbuch Sonnenuntergang, ließ auch nicht lang auf sich warten. 

Reunion Drink
Sonnenuntergang unter Palmen

Bevor die Geburtstagsparty am nächsten Tag steigen konnte, entschieden wir uns noch für einen Ausflug in den Ream Nationalpark. Zugegeben, wir sind da durch Australien und Co. eventuell etwas verwöhnt und nicht mehr so leicht zu flashen, wenn es um Dschungel Trekking und Mangroven Durchquerung geht, aber nach diesem Ausflug waren wir uns alle einige, dass uns ein Tag auf der Sonnenliege mit Pina Colada mehr Spaß gemacht hätte. Trotzdem sind natürlich schöne Bilder entstanden, welche wir euch nicht vorenthalten wollen. Wenn ihr allerdings überlegt da auch mal hinzufahren, geben wir euch den Tipp: Bestellt euch einen Pina Colada und bleibt auf eurer Liege am Strand. 😛 

Tagestour im Ream National Park
Auf zum Jungle Walk
Jungle Trekking
Balanceakt

Nun endlich folgte aber der wirklich spaßige Teil des Tages. Wir machten uns schick, schafften eine gute Grundlage in Form eines BBQs am Strand und saßen pünktlich zur Happy Hour an der Bar in unserem Hostel. Nach ein paar Runden zur Einstimmung stürmten wir schließlich die Clubs der Stadt und feierten Gregis 29. als gäbe es kein Morgen mehr. 

Gregs Birthday Bash
Die Party Chicks 😉

Was wir so beim feiern „als gäbe es kein morgen mehr“ nicht bedacht hatten war, dass uns am besagten Morgen eine fast vierstündige, stürmische Bootsfahrt bevorstand. Wir schipperten oder besser gesagt schwankten (das Boot, nicht wir) an den Lonely Beach auf der Insel Koh Rong. Heil und ohne größere körperliche Ausfälle dort angekommen, fanden wir eine kleine Oase der Ruhe inmitten von Dschungel. Kein Internet, kein fließendes Wasser, Strom nur so lang die solarbetriebenen Batterien Saft hatten… Es war himmlisch! 

Wer nicht in einer Hängematte am Strand lag, der entdeckte in der großen Gemeinschafts-Lodge die Leidenschaft zum Lesen wieder oder lag, wie Mandjamin, mit einer Lebensmittelvergiftung im Bett. Diese Geschichte wollen wir nicht weiter ausdehnen. Es sei nur gesagt, dass es harte 24h für alle Beteiligten waren. xD Ein großer Dank an unsere begnadeten Krankenschwestern Franzi, Grit und Gregi, durch deren Fürsorge wir die restliche Zeit auf der Insel trotzdem genießen konnten. 

Nach drei Tagen mussten wir diese kleine Oase dann allerdings leider schon wieder verlassen, was uns nicht nur wegen der nicht minder turbulenten Rückfahrt gar nicht gefiel. 

Noch alles gut – aber schon ordentlich Seegang
Ankunft am Lonely Beach
Beach Bar
Anhängen im Hängemattenbananenblatt 😉
Oder abhängen im Bett… Lebensmittelvergiftung. Wir machen alles zusammen!

Wieder festen Boden unter den Füßen nahmen wir vorerst Abschied von Grit und Gregor und sprangen mit Franzi ins nächstbeste Taxi Richtung Phnom Penh. Die Hauptstadt Kambodschas, welche übrigens laut Lonely Plante die Stadt des Jahres 2018 werden soll, wirkt wie ein kleines Bangkok und hat geschichtlich viel zu erzählen. Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer, einer Guerillabewegung die 1975 unter der Führung von Pol Pot an die Macht kam, verfolgten einen kranken Plan. Mit Gewalt sollte die gesamte Bevölkerung in einen Agrarkommunismus gezwungen werden. Innerhalb von drei Jahren brachten die roten Khmer Schätzungen zufolge über 2 Millionen Menschen um. Wer beispielsweise eine Brille trug, galt als Intellektueller und somit als Gefahr. Nach Monaten im Gefängnis mit bis zu dreimaliger Folter pro Tag legte jeder irgendwann ein erfundenes Geständnis ab, indem er seine Zusammenarbeit mit der CIA oder anderen Geheimdiensten bekannt gab. (Keiner der Gefangen wusste überhaupt wer oder was die CIA ist…) Wenn die Offiziere das erzwungene Geständnis schriftlich in den Händen hielten, wurde der Gefangene als Regimegegner brutal hingerichtet. Wie das alles möglich war und unter welchen Bedingungen die unschuldigen Menschen gefangen gehalten worden, schauten wir uns im Museum S21 an. Dem schlimmsten Gefängnis der damaligen Zeit. Von geschätzten 17.000 Gefangen überlebten 7. 

Das Gefängnis S21. Eine ehemalige Schule.
Eine von vielen Folterzellen
Keine Chance zu entkommen.

Heute, fast 40 Jahre später, blüht wieder das Leben in Phnom Penh. Bunte Märkte, Temple, hippe Cafés, Bars und das quirliges Gewusel der 1,5 Millionen-Einwohner-Stadt zog uns in seinen Bann. 

Marktimpressionen
Under my Umbrella…
Nachtmarkt in Phnom Penh 

Nach einem Tag voller unterschiedlicher Eindrücke ging die Reise weiter nach Siem Reap, wo das Highlight eines jeden Kambodscha Urlaubers wartete, die Tempelanlagen von Angkor Wat. In vielen Berichten von anderen Reisenden wird ein Besuch in der Stadt der Tempel als „once in a lifetime“ Erfahrung bezeichnet. Und tatsächlich war es einer der beeindruckendsten Tage unserer Reise. Die Tempel, zumeist bereits im 10. Jh. entstanden, haben eine unvorstellbare Größe. Die unzähligen Details in den Wandreliefs, die Verzierungen der Säulen, die Statuen, die verwachsenen Bäume…es gab so Vieles zu entdecken. Locker hätten wir drei Tage hier verbringen können, ohne alles gesehen zu haben und ohne der Eindrücke statt zu werden. Antonio da Magdalena besuchte 1586 als einer der ersten Westlichen Angkor und beschrieb seine Eindrücke „als so außergewöhnlich, dass man es weder mit einem Stift beschrieben, noch mit einem anderen Monument in der Welt vergleichen kann“. Damit hatte er Recht! Zum Glück haben wir in 2017 Kameras und können euch zeigen wovon wir sprechen. 🙂 

Angkor Wat
Wandrelief Angkor Wat
Banteay Kdei
Ta Prohm
Lächelnde Gesichter wohin man schaut ;:)
Face Off
Zusammen im wunderschönen Bayon Tempel 

Am Abend nach unserem Tag in Angkor stießen auch Grit und Gregor wieder zu unserer Reisegruppe und wie es der Zufall so wollte gab es schon wieder Grund zum feiern, auch wenn der Anlass ein trauriger war… Franzis letzter Abend stand an und bevor wir sie schweren Herzens wieder ins kalte, verschneite Deutschland zurückließen, genossen wir noch ein paar Stunden am Pool sowie einen Cocktail auf der berühmt-berüchtigten Pub Street im City Center. 

Pool Party
Pub Street
Bye Bye, Franzi! <3

Nachdem der Abschiedsschmerz überwunden war, planten wir mit Grit und Gregor die letzten zwei Tage unserer Reise durch Kambodscha. Gern wollten wir uns noch den riesigen Tonle Sap See mit seinen schwimmenden Dörfern und gefluteten Wäldern anschauen. Nach einigem Suchen stolperten wir mehr zufällig als geplant, in das kleine „Reisebüro“ von Vira. Vira ist mit seinen 24 Jahren der Boss und auch wenn er aussah wie 16 lockte er uns mit dem Versprechen auf Freibier in seine Tour. Sein Kumpel und Tuk Tuk-Fahrer Mrs. T holte uns pünktlich ab und gemeinsam mit Vira und einem 24er Pack Bier (der Mann hat Wort gehalten) konnte der Tag losgehen. Am Tonlesap See angekommen warteten hunderte Boote auf Touristen und wir fragten uns wie man bei diesem Chaos eigentlich sein Boot ein- und ausparken kann. Zum Glück hatte unser Captain alles im Griff und ebenfalls viel Durst, sodass er sich mit seinem Bierchen gemütlich auf einen Stuhl setzte während wir das Boot steuern durften. 😉 

Erfolgreich aus- und eingeparkt.
Ahoi, Capitan Ben!
Cheers! Reiseführer Vira und das erste Bier von vielen an diesem Tag 😉

Im schwimmenden Dorf angekommen, übernahm dann wieder der Captain persönlich und wir realisierten zum ersten Mal die Größe und Ausmaße des Dorfes. Über 10.000 Menschen leben hier auf Stelzen Häusern (das sind die besser Situierten) oder auf sich dem Wasserspiegel anpassenden Flössen. Kinder in ihren Schuluniformen kletterten über aneinanderbefestigten Booten vom Haus zu Haus, Fischernetze wurden auf den Flössen vor den Häusern aus- und eingerollt, jeder ging seiner Arbeit nach, wie in einem ganz normalen Dorf, bloß dass hier alles schwamm. 

Verkehrsmittel im schwimmenden Dorf
Kids beim Spielen
Reparieren der Fischernetze

Daran angeschlossen wurden wir Spreewald like durch den überfluteten Wald gestakt. Das wirkte so surreal, dass nicht mal die Automatikfunktion unserer Kamera wusste, ob sie jetzt auf Wald oder Meer stellen muss. 😉

Der überflutete Wald am Tonle Sap
Der überflutete Wald am Tonle Sap

Bei der anschließenden Pause dürften wir uns unseren eigenen Pangasius (klingt so edel, ist aber nichts weiter als ein Wels aus dem Fluss) angeln. Gregi der studierte Fischflüsterer legte direkt die fachmännische Hand an und beim anschließenden Lunch auf einem Plateau mitten auf dem See konnte der Tag kaum noch besser werden. 

Frisch gefangen vom Profi!
Lunch Time
Ein See so groß wie ein Meer!
Was´ne geile Truppe!

Sechs Stunden und 38 Bier später waren wir wieder zurück im Hotel und ließen den Tag mit Spaß im Pool ausklingen. Beim anschließenden Spaziergang über den Nachtmarkt kauften wir noch die letzten Souvenirs bevor unsere wunderschöne Zeit in Kambodscha ein Ende nahm. 

Zwei Seepferdchen
Zwei hübsche Meerjungfrauen

Nach einem kurzen Verabschiedungsspaziergang durch die Stadt, am nächsten Morgen, bei dem sich Mandy nochmal in einem Beauty Salon der anderen Art die Nägel lackieren ließ, kam der Moment der Verabschiedung. Mrs. T, welcher sich bereits am Vortag als exzellenter Tuk Tuk Fahrer bewiesen hatte, brachte am Nachtmittag zuerst Grit und Gregor zum Flughafen, welche zurück nach Berlin flogen.

Marktimpressionen
Beauty Salon
Schön war’s
Der Abschied

Für uns folgte dann nur kurze Zeit später der Moment an dem es hieß, bye bye Kambodscha. Das Land hat so viel zu bieten, Party, Insel, Geschichte, Tempel, Stadt- und Landleben. Gepaart mit der Freundlichkeit der Menschen und der besten Reisegruppe die man sich vorstellen konnte, wird die Zeit in Kambodscha auf immer in sehr guter Erinnerung bleiben. 🙂 

Next Stopp: Vietnam. Die nächsten Freunde warten und die nächsten Abenteuer gilt es zu erleben. Travel On! 

Hier geht’s zur vollständigen Fotogalerie.

 

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