NSW | BALLINA COAST

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Nach dem Stadtgewimmel in Brisbane und den Touristenscharen an der Gold Coast zog es uns mal wieder in die Natur. Dafür ging es weiter gen Süden, wo wir die Staatsgrenze zwischen Queensland und New South Wales überquerten. Wir fuhren Richtung Ballina Coast und dort zunächst weg von der Küste ins Inland. Im Wollumbin National Park wollten wir den 1.200 Meter hohen Mount Warning besteigen. Bis zur Spitze des Berges waren knapp viereinhalb Kilometer zu meistern. Die ersten vier Kilometer stieg der Wanderpfad durch herrlichen Regenwald moderat an. Das was allerdings auf dem letzten Streckenabschnitt auf uns wartete, hatten wir auf den diversen Wanderungen, die wir auf unserer Reise nunmehr bereits unternommen hatten, noch nicht erlebt. Die letzten 400 Meter vor dem Gipfel mussten nämlich durch Erklimmen einer Felswand mit 70-prozentiger Steigung überwunden werden. Einziges Hilfsmittel war eine, entlang des Pfades im Stein verankerte, Stahlkette. Diese war auch nötig, da das Gestein vom Regen des Vortages stellenweise noch recht rutschig war. Bergsteigen für Anfänger sozusagen. Also machten sich Reinhild und Reinhold Messner auf, um die letzten Meter des Eintausenders zu bezwingen. 😛

Aufstieg am Mount Warning
Reinhild und Reinhold Messner

Auf dem Dach des Berges angekommen, stellten wir glücklicherweise fest, dass unsere Mühen nicht umsonst waren. Auf dem Gipfel stehend bot sich uns bei klarem Wetter ein grandioser Panoramablick in alle vier Himmelsrichtungen und bis hin zur 30 Kilometer weit entfernten Pazifikküste.

Blick vom Mount Warning

Während wir die Aussicht über die Küstenebene genossen und diese fotografisch festhielten, kamen wir mit einem anderen Gipfelstürmer ins Gespräch. Es waren nur wenige Tage bis zum Confed-Cup-Finale zwischen Deutschland und Chile und als sich herausstellte, dass unser Gegenüber Chileno war und wie alle Südamerikaner für Fußball brannte, war schnell klar, hier hatten sich drei Sportsfreunde gefunden. Mit breitem Lächeln erklärte er: „My name is Ignacio. But you can call me Nacho.“ Gemeinsam mit Nacho traten wir den Abstieg an, und da die Chemie stimmte, beschlossen wir, uns gemeinsam ein Nachtlager zu suchen.
Am nächsten Tag ging es weiter ins Hinterland in den Border Ranges National Park, Heimat des größten zusammenhängenden subtropischen Regenwalds Australiens. Nacho war auch mit von der Partie. 🙂 Auf dem Weg zum Park durchfuhren wir das wunderschöne Tweed Valley mit seinen sanft ansteigenden Hügeln auf dem Rinderherden umherzogen und das saftige Grün abgrasten.

Auf der Fahrt durch das Tweet Valley

Es war noch früh am Tage und hier im Inland und in dieser Höhenlage war es noch recht frisch. Wir waren am Morgen bei vier Grad aufgestanden. Im National Park angekommen  machten wir zunächst einen kurzen Spaziergang durch den Urwald, der so prähistorisch anmutete, dass es uns nicht überrascht hätte, wenn hinter dem nächsten Baumfarn ein Dino hervorgesprungen gekommen wäre. Bei kühlen Temperaturen und feucht-tropischer Luft konnten wir unserem Atem sehen. Es war herrlich und als wir tiefer in den Wald vordrangen, hatten wir das Gefühl, die frischeste Luft zu atmen, die wir je inhaliert hatten.

Border Ranges National Park
Wir konnten unseren Atem sehen.

„Inhalieren“ wäre dann auch ein passendes Stichwort für die Kleinstadt, die wir als nächstes ansteuerten. In dieser inhalieren Einwohner und Besucher nämlich neben frischer Luft gerne auch noch andere bewusstseinserweiternde Substanzen. Im Mai 1973 versammelten sich im verschlafenen Milchbauerndorf Nimbin tausende Studenten, Hippies und Alternative zum zehntägigen Aquarius Festival. Nachdem das Festival vorüber war, entschlossen sich viele zu bleiben. Sie gründeten zahlreiche Landkommunen, um in der Abgeschiedenheit des Hinterlandes ihre Utopie von Freiheit und Solidarität zu verwirklichen. Heute ist Nimbin die australische Hauptstadt des alternativen Lebensstils. Wir freuten uns also auf das, was nach einer kunterbunten Hippie-Kommune klang und wollten eine Nacht in Nimbin verbringen, um dort etwas vom Spirit des Ortes aufzunehmen. Bunt zeigte sich das Städtchen bei unserer Ankunft dann auch. Die Häuser in verschiedensten Farben getüncht und mit diversen Wandbildern verziert und diverse Läden, in denen man vom Sari über die Haschpfeife bis hin zum Hasch selbst alles kaufen konnte.

Kunterbuntes Nimbin

Die rechte Love-and-Peace-Athmosphäre konnten wir auf den ersten Blick allerdings nicht so recht ausmachen. Viele der Stadtbewohner, welche wir uns als gut gelaunte Hippies vorgestellt hatten, erinnerten eher an die Untoten aus The Walking Dead. Mit leerem Blick kauerten diese auf einer Bank oder schlurften scheinbar ziellos über den Bordstein. Auch der so bezeichnete Stadtpark glich eher einer Müllhalde als einem Ort an dem man Erholung finden könnte.

Park in Nimbin

Mag sein, dass das für einige Utopie ist. Wir fanden es eher traurig. Angesichts unseres Unbehagens änderten wir unsere Pläne und beschlossen, doch noch am selben Abend weiterzufahren. Gerade als wir nach einem kurzen Stadtrundgang auf unserem Weg zurück zum Auto waren, hatten wir dann doch noch das Glück, etwas von dem Spirit zu erleben, den wir eigentlich gehofft hatten, hier zu finden. Allerdings waren es keine Althippies sondern ein älteres Ehepaar, das auf dem Gehweg mit einem herzerwärmenden Lächeln auf den Lippen Kürbissuppe und jede Menge Brot kostenlos unter die Leute brachte. Das Brot mit abgelaufenen Haltbarkeitsdatum aber in tadellosem Zustand hatten die beiden zuvor bei diversen Supermärkten eingesammelt. Die Suppe war mit Kürbis, Kartoffeln und Rosmarin aus dem eigenen Garten selbstgemacht. Überragend lecker. Für unser Abendbrot war damit gesorgt. Darüber hinaus hatten wir Brot für eine ganze Woche und waren durch die Wohltätigkeit dieser beiden Menschen inspiriert. Insofern war es, wenngleich Nimbin nicht ganz unser Ding war, dann doch noch ein versöhnlicher Abschluss in der Alternativenhauptstadt Australiens.

Solidaritätsbrot

Weiter ging es nach Byron Bay. Endlich wieder ans Meer. Nach wie vor mit dabei, der gute Nacho, inzwischen fester Bestandteil unserer Reisegruppe. 🙂 Die Küstenstadt gefiel uns wirklich sehr und fast kam es uns so vor, als wäre Byron das bessere Nimbin. Bunt, aufgeweckt und doch sehr relaxt.

Byron Bay

Highlight unseres Aufenthalts war definitiv die Wanderung zum Cape Byron, dem östlichsten Punkt des australischen Festlands. Dabei passierten wir den Watego Beach, eine der schönsten Buchten die wir in Australien bestaunen durften. Ziel unseres Abendspaziergangs war der Leuchtturm, der als Traummotiv eines jeden Fotografen über der ins Meer ragenden Landspitze thront. Dort oben hatten wir die Gelegenheit vorbeiziehende Buckelwale in der Ferne zu beobachten. Allerdings nicht lange, denn die Sonne schob sich unerbittlich dem Horizont entgegen und so gesellten wir uns zügig zu den anderen Schaulustigen.

Watego Beach
Leuchturm am Cape Byron

Nach Byron Bay ging es weiter nach Ballina, in den Ort, der Namensgeber für die gesamte Küstenregion ist. Was sich Ben schon auf unserer gesamten Australienreisende vorgenommen hatte, sollte nun endlich mal in die Tat umgesetzt werden. Also liehen wir uns ein Brett aus und machten uns auf zum Strand. Es ging ab zum Surfen. Mit Nacho stand Ben jemand zur Seite, der den Lieblingswassersport der Australier schon etwas beherrschte. Nach kurzer Einweisung ging es ab in die Wellen und es hieß learning by doing. Und naja… was soll man sagen. Surfen (oder auch nur der Versuch) macht Sauspaß, ist sauanstrengend und sauschwierig. So sah man Ben dann auch mehr im Wasser als auf dem Brett. Immerhin gelang es ihm aber bei zwei, drei Versuchen, eine kleine Welle eben so viele Sekunden zu stehen. Ein kleiner Achtungserfolg bei nicht ganz leichten Bedingungen, wie auch Lehrer Nacho zugeben musste.

Surfing Ballina
Und so sah es dann meistens aus 🙂
Geht doch

Am nächsten Morgen wurden wir von einer Schar Hähnen geweckt, die um unser Auto herumstolzierten. Wo genau diese mitten im Nirgendwo am Highway herkamen, blieb unklar. Definitiv trugen sie aber zu unserer morgendlichen Belustigung bei.

Kiekeriekie

Nachos Pläne für den Tag sahen vor, in den Küstenstädtchen Yamba und Angourie einige Surf Spots auszutesten. Da wir uns am Vortag in der Surfer Community bewiesen hatten und der Plan gut klang, beschlossen wir uns anzuschließen. Und es sollte sich lohnen, denn das Südende der Ballina Coast zeigt sich noch einmal von seiner schönsten Seite.

Beeindruckende Felsbrandung in Yamba
Surfer Girl
Huuuuuiii
Angourie
Abendstimmung in Angourie

Am Ende eines erholsamen Tages am Meer hieß es dann bis auf weiteres Abschied nehmen. Abschied von diesem herrlichen Ort, von der Küste und auch von Nacho. Während nämlich unser Lieblings-Surfer-Boy weiterhin die Küstenroute verfolgen wollte, zog es uns mal wieder weg vom Ozean, hinein ins Landesinnere. Nach einer wehmütigen „Adios-Amigos-Gruppenumarmung“ löste sich unsere deutsch-chilenische Reisegruppe damit fürs Erste auf… wohlwissend, dass wir uns in Sydney wiedersehen würden.

Auf Wiedersehen in Sydney, Nachito.

Hier geht’s zur vollständigen Fotogalerie.

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