NSW | NEW ENGLAND TABLELANDS

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Australien, Natur, New South Wales, Wald

Weiter ging unser Zickzackkurs zwischen Pazifikküste und den Hochebenen im Hinterland. Es sollte in die New England Tablelands gehen, in denen wir auf dem so genannten Waterfall Way die Region mit seinen diversen National Parks und mit zahlreichen Wasserfällen erkunden wollten. Bevor es mal wieder in höher gelegene und damit auch kühlere Lagen ging, hieß es aber zunächst, Vorräte aufstocken. Und da stand für uns eine Premiere an. Es ging nämlich zum ersten Mal in Australien zu ALDI. Der deutsche Marktführer hat es inzwischen bis nach down under geschafft. An der Ostküste hatten wir bereits mehrere ALDI-Märkte passiert, das echt deutsche Einkaufsevent allerdings immer wieder verschoben. An diesem Abend war es nun endlich so weit. Und tatsächlich fühlte sich der Gang zwischen lieblos vollgestopften Regalen und Wühltischen wie ein Stück Heimat an. Wir ließen uns Zeit, verglichen Preise und studierten ausgiebig das Sortiment. Bester Laune schoben wir, nach einem etwa neunzigminütigen Shoppingerlebnis, unseren vollbepackten Einkaufswagen, mit Highlights wie Knoppers darin, zurück zum Auto.

AL DI schönen Sachen hier 🙂

Als wir uns am nächsten Morgen bei Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt aus dem Auto quälten, konnten wir kaum glauben, dass wir tags zuvor noch mit dem Surfbrett in den Wellen getobt hatten. Etwa eintausend Meter über dem Meeresspiegel fühlte sich der australische Winter tatsächlich auch mal wie ein solcher an. Nachdem uns beim Zähneputzen vor Kälte fast die Finger abgefallen waren, ging es im wohlich warmen Auto zu den Ebor Falls. Dort angekommen hatte die Sonne inzwischen für eine deutlich erträglichere Thermik gesorgt. Nach ausgiebigem Frühstück machten wir einen Verdauungsspaziergang auf einem kurzen Pfad immer die Kliffabbruchkante entlang mit Blick auf die Kaskaden der Upper und Lower Ebor Falls.

Lower Ebor Falls

Als nächstes ging es auf den mit 1563 Metern höchsten Aussichtspunkt in den Tablelands. Der Point Lookout im New England National Park gab einen herrlichen Panoramablick auf die, mit dichtem Gondwana-Regenwald bedeckten, Bergketten der Hochebene frei und in sechzig Kilometer Entfernung ließ sich am Horizont der Pazifik erahnen.

Auf dem Point Lookout
Im New England National Park

Als nächstes führte uns der Waterfall Way zu den Wollomombi Falls. Über 260 Meter tost das Wasser hier die Felswand hinunter. Damit gehören die Wasserfälle zu den höchsten Australiens. Trotz der enormen Höhe, die das Wasser hier bei seinem Sturz in die Schlucht überwindet, fanden wir den Wollomombi irgendwie nicht so spektakulär, wie in unserem Reiseführer versprochen.

Wollomombi Falls

Vielleicht war die Aussichtsplattform einfach ein Stück zu weit weg, vielleicht war das Abendlicht schlecht oder vielleicht hatten wir zuletzt auch einfach zu viele Wasserfälle gesehen. Wer weiß… Wir waren jedenfalls nur mäßig vom Hocker gerissen. Also hielten wir uns nicht lange auf und machten uns daran, einen Schlafplatz zu finden. In einem kleinen 100-Seelen-Dorf unweit der Wollomombi Falls machten wir es uns direkt neben einer Schaafweide gemütlich. Die Temperaturprognose für die Nacht verhieß zwei Grad über Null. Das schreit nach Glühwein, dachten wir uns und stiefelten zum Tankestellen-/Lebensmittel-/Post-/Pub-/Bottle-Shop gleich die Straße runter. Der auserlesene Tropfen im Kühlschrank des All-in-one-Geschäfts erwies sich dann aber leider als recht kostspielig und so mussten wir umdisponieren. Also wandten wir uns an den freundlichen jungen Mann mit Cowboy-Hut hinterm Tresen und erläutertem ihm, dass wir auf der Suche nach etwas wären, das uns am Abend etwas warm hält. „Also, wenn ich jagen gehe, …“, setzte er an und schon waren wir im Gespräch. Nach zehn Minuten verließen wir den Laden mit einem einem Sixer Bier, einem Ingwer-Likör und einer Einladung zum nächtlichen Aufwärmen am Ofen in der Scheune nebenan. Nachdem wir unser Abendessen bei einem Bierchen mit einem Schuss Ingwer-Likör und tanzend, um nicht zu sehr auszukühlen, zubereitet und verspeist hatten, beschlossen wir, der freundlichen Einladung des Cowboys zu folgen. Unser Gastgeber und seine Freundin hießen uns am wärmenden Ofen auch sogleich herzlich willkommen. Bei Rotwein und Bier plauderten wir über Gott und die Welt und verbrachten einen wunderbaren Abend. Gegen Mitternacht sagten wir gute Nacht und wollten uns gerade in Richtung unseres Schlafmobils aufmachen, als die beiden uns noch eine warme Dusche in ihrem Haus anboten. Wir zögerten zunächst, wurden aber überzeugt und als wir unser Duschzeug holen wollten, hielt man uns prompt zwei Handtücher und Seife unter die Nase. Wir waren wirklich gerührt von so viel Gastfreundschaft. Nahezu Fremde wie Freunde behandeln, wie oft hatten wir das auf unserer Tour durch dieses Land nun schon erlebt. Trotzdem waren wir stets aufs Neue verblüfft von der herzerwärmenden Freundlichkeit der Australier. Frisch geduscht ging es also zurück zum Auto. Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass der Tau auf der Wiese ebenso gefroren war wie die Scheiben unseres Mitsubishis. Es war arschkalt. Da hilft auch ein erwärmtes Herz nur bedingt. Davor konsumiertes Bier und Wein schon eher. Nichtsdestotrotz war diese Nacht die härteste, die wir in unserem Auto durchzustehen hatten. Von der Kälte immer wieder geweckt, sehnten wir den Sonnenaufgang am nächsten Morgen herbei… wortwörtlich der Hoffnungsschimmer am Horizont.

Der Morgen nach der Eisnacht

Schlussendlich bestanden wir den Roadtrip-Härtetest. Eine zweite Nacht unter diesen Bedingungen kam allerdings nicht in Frage. Also ging es quer durch die Tablelands über schroffe Bergstraßen und durch idyllische Täler mit Kuhweiden wieder Richtung Küstenebene.

Fahrt durch die New England Tablelands

Unsere Route sollte nun wieder parallel zum pazifischen Ozean am Meer entlang verlaufen und langsam aber sicher rückte eines der großen Highlights unserer Australienreisende immer näher. Bis nach Sydney war es nun nur noch wenige hundert Kilometer.

Hier geht’s zur vollständigen Fotogalerie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.