NT | KAKADU N.P.

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Der Kakadu National Park liegt 150 Kilometer östlich von Darwin. Sein Name ist von einer Aborigine-Sprache namens Gagudju abgeleitet, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in diesem Gebiet gesprochen wurde. Tatsächlich reicht die Geschichte der Ureinwohner in dem heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Park jedoch viel weiter zurück. Mehr als 5000 Kunststätten mit Felsmalereien, einige davon bis zu 25.000 Jahre alt, zeugen von der langen Tradition verschiedener Aborigine-Stämme in diesem Gebiet. Ferner ist Kakadu der größte National Park auf dem Roten Kontinent. Von der Küste der Timorsee ganz im Norden erstreckt er sich etwa 200 Kilometer ins Landesinnere und deckt eine Fläche von knapp 20.000 Quadratkilometer ab. Eine Fläche größer als das Bundesland Sachsen. 😉 Da hatten wir also einiges vor uns…
Nach Aufstockung unseres Proviants brachen wir am späten Nachmittag in Darwin auf. Bereits nach 50 Kilometern änderte sich die Landschaft dramatisch. Das uns in den letzten Wochen so vertraut gewordene Buschland ging allmählich in sumpfige Wetlands über und wir fühlten uns unweigerlich an die Everglades im sub-tropischen Florida erinnert. Um uns mit dem neuen Terrain vertraut zu machen, steuerten wir zunächst das Info-Center „Window of the Wetlands“ an. Da es allerdings bereits kurz vor 18 Uhr war, standen wir vor verschlossener Tür. So schlugen wir unser Nachtlager auf einem nahegelegenen Rastplatz am Highway mit tollem Blick über das Umland auf. Während sich die Wetlands bei Sonnenuntergang noch von ihrer charmanten Seite zeigten, sollte es mit der Idylle kurz darauf vorbei sein. Bereits während der Abendbrotsvorbereitungen wurden wir von Schwärmen von Mücken und diversem anderen Viehzeug gepiesackt. So flüchteten wir uns nach dem Essen schnellstmöglich ins Auto, vernahmen dort aber bereits laut summende Geräusche. Die Schlacht war also eröffnet. Am Kopf- und Fußende unseres Bettes wurde jeweils eine Front eröffnet. Die Gefreiten May und Schlötke schlugen sich wacker, bewiesen in einem halbstündigen Mückenkrieg große Tapferkeit und kamen mit kleineren Blessuren davon. Hinsichtlich der Verluste auf der Gegenseite gibt es nur grobe Schätzungen. Die Opferzahl soll sich aber auf bis zu 100 Gefallener belaufen. Die Seitenwänden und Decke unseres Autos sahen also aus wie ein Schlachtfeld. Wir konnten allerdings, so weit es die tropischen Temperaturen zuließen, halbwegs beruhigt schlafen.

Abendstimmung in den Wetlands

Am nächsten Morgen ging es dann endlich zum Window of the Wetlands. In einer sehr liebevoll angelegten Ausstellung erfuhren wir alles wissenswerte über das Öko-System der umliegenden Überflutungsgebiete, die in der Regenzeit zwischen Oktober und März flächendeckend überflutet werden, um in der anschließenden Trockenzeit wieder fast vollständig auszutrocknen, bevor der Kreislauf von neuem beginnt.

Window of the Wetlands

Anschließend ging es weiter Richtung Kakadu. Bevor wir den National Park erreichen sollten, hatten wir uns allerdings noch einen Stopp vorgenommen. Der Norden Australiens ist Kroko-Land. Ob in Broome, in den Kimberleys oder am Top End… überall zeugten Warnhinweise vor der potentiellen Gefahr. Während die etwas kleineren Süßwasserkrokodile (engl. umg. freshy) als verhältnismäßig harmlos gelten, sollte man deren größeren Verwandten, den Salzwasserkrokodilen (engl. umg. salty), tunlichst aus dem Weg gehen. Bis dato hatten wir lediglich auf unserer Gibb River Road-Tour zwei freshies aus sicherer Entfernung gesichtet. Nun wollten wir endlich auch die großen Kollegen sehen… und das von ganz nah. Am Adelaide River nur wenige Kilometer hinterm Window of the Wetlands bot sich dafür die perfekte Gelegenheit. Auf so genannten Jumping Crocodile-Touren werden die Riesenechsen mit Fleischbrocken geködert, die an einer langen Schnur an einem Stab baumeln. Um sich die Leckerei zu schnappen, katapultieren sich die Tiere teilweise mit bis zu zwei Drittel ihres Körpers aus dem Wasser. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um dressierte sondern um wildlebende Fleischfresser. Wir schlossen uns einer solchen Tour an und waren beeindruckt von den Sprungkünsten dieser eigentlich doch so massig anmutenden Ungetüme.

Croco hüpf

Am Nachmittag ging es weiter Richtung Kakadu, wo wir am frühen Abend anlangten und uns seelisch und moralisch auf die nächste nächtliche Moskito-Schlacht einstimmten. Nach einer Nacht, die bei schwül-heißen Temperaturen eher einem Schlafversuch gleichkam, ging es am nächsten Morgen als erstes zum Ubirr Rock, eine der zwei bedeutendsten Kunststätten der Aborigines im Kakaku. Mit Erdfarben haben die Künstler hier vor tausenden von Jahren vor allem Bilder von Tieren an den Felswänden aufgetragen. Neben prähistorischer Felsmalerei bot sich nach Besteigung des Ubirr noch ein spektakulären 360-Grad-Blick auf das satte Grün der umliegenden Landschaft. Die zweite bedeutende Kunststätte im Park ist der Nourlangie Rock 70 Kilometer südlich vom Ubirr. Die dort dargestellten Malereien von Schöpfungsgottheiten werden auf ein Alter von mindestens  20.000 Jahren datiert. Absolut beeindruckend und kaum vorstellbar, dass derartig gefertigte Malereien so lange Zeit überdauern. Mehr zur inzwischen 50.000 Jahre währenden Geschichte der Aborigines im Gebiet, welches heute Kakadu heißt, erfuhren wir im hervorragenden Culture Centre.

Rock Art am Ubirr
Blick vom Ubirr
Aborigine Rock Art am Nourlangie

Neben Aborigine-Kultur bietet der Kakadu National Park auch jede Menge Natur. Aufgrund seiner Größe finden sich im Park diverse verschiedene Landschaftsformen. Dazu zählen Sanddünen im Norden an der Küste ebenso wie die zerklüfteten Felsplateaus im Süden des Parks. Dazwischen liegen Regenwälder, Savannen- und Buschland sowie die sumpfigen Wetlands. Alles wird durchzogen von vier großen Flüssen die von zahlreichen Nebenflüssen gespeist werden und im Norden in die Timorsee münden. Einen kleinen Teil dieses weitreichenden Flusssystems wollten wir per Boot erkunden. Also ging’s ab auf Sunset Tour in die Yellow Waters Wetlands. Zu unserem Glück wurde unsere Tour kurzfristig mit der gleichzeitig stattfindenden „Taste of Kakadu“-Tour zusammengelegt, an deren Ende, wie wir erfuhren, neben einem Glas Sekt Häppchen mit Bush Tucker, d.h. Nahrung, die man im Outback findet, gereicht werden sollten. Ein kostloses Upgrade also. Na so ein Glück. 🙂 Voller Vorfreude auf Schampus und Outback-Canapes schipperten wir also dem Sonnenuntergang entgegen. Umgeben von wunderschöner Fluss- und Sumpflandschaft wimmelte es um uns herum nur so von verschiedensten Vögeln und Krokos, die das Federvieh gierig beäugten. Flora und Fauna hatten also überzeugt und endlich sollten wir auch kulinarisch auf unsere Kosten kommen. Den Perlwein in der einen Hand verköstigten wir mit der anderen Buschmarmelade, Krokodil auf Wassergurke und Känguru auf Süßkartoffel-Buschtomaten-Püree. Sehr lecker und wir freuten uns wie kleine Kinder über den unverhofften Luxus.

Yellow Waters Wetlands

 

Nach so viel schlemmen, hieß es bei unserer letzten Station im Kakadu nochmal wandern. Ziel war der Oberlauf der Gunlom Falls. Vom Parkplatz aus waren es nur wenige Meter bis zum Fuß des Wasserfalls. Dieser Anblick allein wäre die Anfahrt über fünfzig Kilometer Buckelpiste bereits wert gewesen. Aber wir wollten ja hoch hinaus. Also traten wir den steilen Aufstieg an die Spitze des Gunlom an, die wir nach zwanzigminütiger Krackselei erreichten.  Was sich unseren Augen bot, als wir oben anlangten, war wirklich atemberaubend. Oberhalb des Wasserfalls hatte sich das Wasser mehrere natürliche Steinpools geschaffen, die zur Felskante hin terrassenartig abfielen. Vom glasklaren Wasser dieser Felsbecken, eröffnete sich ein herrlicher Blick auf das bewaldete Umland und die dahinter liegenden Berge. Ein unglaublich schöner Ort, an dem wir einen Nachmittag mit Badespaß im Infinity Pool verbrachten.

Am Fuße des Gunlom Wasserfalls
Wahnsinns Ausblick
Einfach nur schön hier…

Nachdem tropische Hitze, Luftfeuchtigkeit und Moskitos uns in den vergangenen Tagen doch etwas zugesetzt hatten, waren wir nun also wieder mit Mutter Natur versöhnt. Trotzdem beschlossen wir, dass es genug war mit diesem riesigen Park und so verabschiedeten wir uns vom Kakadu und damit allmählich auch vom Top End. In den kommenden Tagen sollte uns unsere Reiseroute nämlich knapp 1.500 Kilometer gen Süden in das Red Centre des Kontinents führen.

Hier geht’s zur vollständigen Fotogalerie.

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