NZ | ROTORUA

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Rund um die Stadt Rotorua brodelt es gewaltig! Neuseeland entstand einst aus der unermesslichen Kraft vulkanischer Aktivitäten. Aufgerissene Berge, Vulkankegel und dampfende Kraterseen mit stinkenden Schwefel- und blubbernden Schlammquellen zeigen sich noch heute in der „unfertige“ Landschaft Neuseelands. Zwischen Auckland und Wellington liegt die Stadt Rotorua, welche eines der bedeutendsten touristischen Ziele der Nordinsel ausmacht. 

Unser erster Stopp führte uns in den Stadtteil Ohinemutu, in welchem die Te Arawa-Maori der Region leben. Hier besuchten wir die 1910 im Fachwerkstil errichtete Maori Kirche. Im Inneren fanden wir wunderschöne Schnitzereien und ein Fensterbild, welches Jesus als Maroi zeigt. Im richtigen Winkel fotografiert schaut es aus, als würde er über das Wasser des Lake Rotorua laufen, welcher sich im Hintergrund ausbreitet.

Maori Kirche in Ohinemutu
Maori-Schnitzereien
Jesus läuft übers Wasser des Lake Rotorua

Was uns hier in diesem kleinen Dörfchen jedoch besonders interessierte, waren die dampfenden Gullies, Steine, Bäche und Zuflüsse und allem voran der überaus unangenehme Geruch nach faulen Eiern. Überall dämpfte und brodelte es, so etwas hatten wir noch nie gesehen, aber es sollte nur der Auftakt von zwei ziemlich „heißen“ Tagen werden. 

Es qualmte überall…

Als nächstes machten wir Halt am Kuirau Park, welcher einen ruhigen Spaziergang zwischen dampfenden Thermalseen, abseits des Stadt- und Touristentrubels versprach. Überall blubberte es und beim überqueren des Holzbrücke konnten wir teilweise keine 3 Meter weit sehen und mussten den Schal als Mundschutz vor dem unangenehm riechenden Gasen nutzen. Im Kuirau Park wird man strickt angehalten den Fußwegen zu folgen und die Gegend nicht auf eigene Faust zu erkunden, da in diesem Teil der Stadt immer wieder Teile der Erde aufbrechen und bis zu 90°C heiße Quellen freilegen. So machte beispielsweise vor einigen Jahren ein Fall Schlagzeilen, als es mitten in der Nacht nicht im, sondern unterm Ehebett einer Familie in Rotorua zu brodeln begann. 

Mundschutz im Kuirau Park
Gleich ist Mandy verschwunden

Das Gebiet mit seinen unzähligen Thermalquellen ist jedoch nicht nur ein beliebtes, wenn auch übel riechendes Fotomoiv für Touristen. Bereits 1878 soll ein irischer Priester seine Arthritis in den Quellen geheilt haben und seitdem ist die Gegend berühmt als Kurort mit Thermalbädern für Rheuma und Arthritis Geplagte. Das ehemalige Badehause in den Government Gardens, welches 1908 als prunkvolles Gebäude im Tudor Stil erbaut wurde, zeigt eindrücklich wie überwältigend (und einnahmenreich) der Ansturm auf die Stadt mit ihren heilenden Wassern gewesen sein muss.

Das ehemalige Badehaus
Frühlingserwachen in den Government Gardens

Heute beherbergt dieser Prunkbau das Rotorua Kunst- und Geschichtsmuseeum, welches jedoch aktuell leider wegen Umbaumassnahmen geschlossen ist. Das brachte nun unsere ganze Nachmittagssightseeingplanung durcheinander. Das Wetter war nicht gerade berauschend und ein Besuch im Museum wäre perfekt gewesen. Warm, regensicher und man tut was für die grauen Zellen. Eine Alternative war allerdings schnell gefunden und so fanden wir uns kurze Zeit später in den Thermalquellen eines Polynesischen Spa wieder. Warm, regensicher und man tut was für die müden Knochen. Noch dazu mit bestem Blick auf den Rotorua See. Auch wenn wir aktuell noch keinerlei Gelenkbeschwerden zu beklagen haben, verweilten wir gute zwei Stündchen bei 39 – 41 Grad und sollten somit für die kommenden Jahre gut vorgesorgt haben. 😉 

Im Polynesichen Spa bei 40°C mit Blick auf den See

Auch am nächsten Morgen konnte es, immer noch tiefenentspannt vom Spa Besuch des Vorabends, losgehen zum zweiten Teil unser vulkanischen Entdeckungstour. Unser Ziel war das Waimangu Volcanic Valley, welches 1886 mit dem Ausbruch des Mount Tarawera entstand und damit zu den jüngsten Geothermalgebieten der Welt zählt. Am Waimangu Volcanic Village angekommen entglitt uns die Tiefenentspannung jedoch angesichts der saftigen Eintrittspreise prompt. Über 40€ haben wir in unserem ganzen Leben noch nicht für „Spazierengehen“ bezahlt, aber bisher waren wir ja auch noch nicht auf dem „jüngsten“ Teil der Erde… Den ersten Stopp legten wir am „Bratpfannen-See“ ein. Mit knapp 4ha Oberfläche ist der Bratpfannen-See der größte heiße See der Welt. Von Weitem konnten wir es bereits dampfen sehen und auch bei näherer Betrachtung scheint es, als würde der ganze See kochen. Das Wasser ist jedoch kaum mehr als 50°C heiß, die Blasen kommen von Gasen, welche unablässig aus dem Boden strömen. Ein fast schon surreal schönes Bild.

Waimangu Volcanic Village
Der Bratpfannensee
Ein wunderschön, sureales Panorama

Anschließend passierten wir die Stelle an der von 1901 -1904 der Waimangu-Geysir Schlamm und Geröll bis zu 500m hoch in den Himmel schoss. Der einst größte Geysir der Welt verstopfte sich selbst und ist seit über hundert Jahren nicht mehr ausgebrochen. Kurz darauf fanden wir einen wesentlich kleineren dafür aber aktiven Mini-Geysir. Dieser erinnerte sehr an eine Springbrunnen-Fontaine, wie sie in einem deutschen Vorgarten zu finden sein könnte, dieser „Springbrunnen“ ist jedoch annähernd 100°C heiß. 

Aktiver Mini-Geysir

Nach einem kurzen Anstieg erreichten wir den Inferno Krater. Ein über 50m tiefer Krater, entstanden beim Ausbruch des Vulkans, gefüllt mit bis zu 80°C heißem Wasser. Der See im Inferno Krater strahlt in einem solch leuchtend hellem blau, dass es fast unnatürlich wirkt. Aber auch wenn die Farbe stark an einen großen Hotelpool erinnert, wäre baden hier wohl keine so gute Idee. Am Boden des Sees befindet sich ein Geysir, welcher den Wasserspiegel in einem 6 wöchigen Rhythmus ansteigen lässt, bis der See überläuft, der Wasserspiegel um 10m sinkt und alles wieder von vorn beginnt. An der weißen Kannte am Rand kann man den aktuellen Wasserstand des Sees gut erkennen. 

Der Inferno Krater

Wir spazierten weiter den Mount Haszard hinauf und wurden mit einem Panoramablick in die Krater des Waimangu Valley und auf den Lake Rotomahana belohnt. Auf der letzten Etappe hin zum Lake Rotomahana, welchen wir soeben von oben betrachten konnten, schlenderten wir vorbei an weiß, gelb, rosa und grün gefärbten Sinterterrassen. Diese entstehen durch Ablagerung der schwefeligen Gase und zeigen auf eindrucksvolle Weise die unablässige Aktivität des Bodens. Am See angekommen ließen wir uns auf einem Bootsanleger nieder und genossen bei einem Picknick den Blick übers Wasser und die dahinterliegenden Berge. 

Blick vom Mount Haszard
Sinterterrassen und heiße Flüsse
Der Blick auf den Lake Rotomahana

Auf dem Weg zu unserem nächstem Ziel, dem Tongariro N.P., machten wir noch einen Halt in der Stadt Taupo, am gleichnamigen See gelegen, um uns die Huka Falls anzuschauen. Hier rauschen unfassbare 200.000 Liter türkis blaues Wasser pro Sekunde mit unbändiger Kraft und donnerndem Getöse durch den engen Felskanal und fallen dann knapp 10m tief in die Huka Falls ab. 

Strom der Huka Falls

 

🙂

Zwei außergewöhnliche Tage mit sprudelnden Quellen und Vulkanismus gingen zu Ende. Rotorua ist ein wahrlich besonderer Ort, mit einer Landschaft, welche man so an nur wenigen Ort der Welt bestaunen kann. An unserem nächsten Ziel dem Tongariro N.P. sollte der Tanz auf dem Vulkan weitergehen. 

Hier geht’s zur vollständigen Fotogalerie. 

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