QLD | WET TROPICS

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In unserem letzten Blog-Post haben wir euch von unserem „Urlaub“ in Cairns und unserem Tagesausflug ins Great Barrier Reaf berichtet. In dem Bericht hatten wir in einem Nebensatz bereits die Atherton Tablelands sowie Cooktown erwähnt, welche wir auf dem Weg nach Cairns passierten. Beide Gegenden gehören einer Naturregion an, die sich über den gesamten Nordosten des Bundesstaates Queensland erstreckt: die Wet Tropics. Die Wet Tropics of Queensland umfassen den größten verbliebenen Teil des australischen Tropenregenwaldes. Sie gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe und treffen an der Küste unmittelbar auf das Weltnaturerbe des Great Barrier Reefs. Mit einer Ausdehnung von knapp 9.000 Quadratkilometern ist die Feuchttropenregion ausgesprochen weitläufig und dementsprechend vielfältig. Neben den oftmals zu National Parks ernannten Regenwaldgebieten umfasst die Region auch Küstenabschnitte mit paradiesischen Stränden, ausgedehnte Agrarflächen, charmante Kleinstädte und die Hochebene der Atherton Tablelands. Diese waren nach Überquerung der Grenze zu Queensland auch unser erstes Ziel.

Nachdem wir im Red Center in den Wochen zuvor fast ausschließlich ausgedörrtes Grasland, Steppen und Wüsten passiert hatten, fanden wir uns in den Tablelands plötzlich in einer immergrünen Hügellandschaft wieder, in der die Feuchtigkeit als nebliger Dunst zwischen den Bergen hing, auf denen Milchkühe in stoischer Ruhe weideten. Kurz gesagt, wir waren im Allgäu gelandet. ;-P

Atherton Tablelands
Cowboy in den Atherton Tablelands

Doch nicht nur durch die Landschaft sondern auch durch das Wetter fühlten wir uns stark an good old Germany erinnert. Die Atherton Tablelands gelten als eine der regenreichsten Regionen in ganz Australien. Das feuchte Klima des Hochplateaus begünstigt nicht nur intensive Land- und Viehwirtschaft sondern sorgt auch für die höchste Wasserfallkonzentration im ganzen Land. Bei grauem Himmel und Sprühregen steuerten wir zunächst die idyllischen Little Millstream Falls an, um uns danach deren großen Schwestern, den Big Millstream Falls, zuzuwenden. Bei diesen handelt es sich um die breitesten Wasserfälle Australiens, was ihnen den Spitznamen „Mini-Niagara“ eingebracht hat. Drei weitere Prachtbeispiele von fallendem Wasser sowie herrliche Ausblicke über die Tablelands konnten wir auf der Panoramastrasse Waterfall Circuit nahe der Kleinstadt Millaa Millaa bewundern.

Little Millstream Falls
Big Millstream Falls
Waterfall Circuit – Millaa Millaa Falls

Vorbei an neugierigen Rindern und riesigen Obstplantagen stießen wir immer weiter Richtung Norden vor. An einer dieser Plantagen, auf der Mangos angebaut wurden, machten wir noch einen Zwischenstopp und sicherten uns eine Flasche Mangosekt, um den Start unserer Ostküstentour am Abend gebührend zu feiern.

Prost! Auf die Ostküste…

Am nächsten Tag machten wir uns auf nach Cooktown. Der englische Seefahrer und Entdecker James Cook setzt 1770 etwa 1.500 Kilometer südlich der Stadt, die heute seinen Namen trägt, erstmals einen Fuß auf australischen Boden. Der kleine Ort, der sich heute dort befindet, wo Captain Cook und seine Mannschaft erstmals landeten, trägt inzwischen den Namen Senventeen Seventy und ist damit die einzige Stadt weltweit, deren Name eine Zahl ist.

Seventeen Seventy

Vom heutigen Senventeen Seventy segelten Cook und sein Gefolge auf der Endeavour immer die Küste entlang gen Norden, bis ihre Reise jäh unterbrochen wurde, als das Schiff auf ein Riff auflief. Cook ließ die leckgeschlagene Endeavour an jenem Ort zur Reparatur an Land ziehen, wo sich heute Cooktown befindet. Leider empfing uns die Stadt mit einem Wetter, dass für eine Segeltour ebenso ungünstig gewesen wäre wie es für eine Stadtbesichtigung war. Bei Nebel, Regen und Sturmböen wollte bei uns kein rechter Enthusiasmus aufkommen. Wir statteten also dem James Cook Museum einen kurzen Besuch ab und begaben uns zur Stippvisite der lebensgroßen Cook-Statue Richtung Hafen. Nachdem es uns dann auf dem Cook Lookout fast von der Aussichtsplattform geweht hatte, hielt uns nichts mehr an diesem Ort und wir beschlossen die Flucht Richtung Cairns anzutreten.

Angekommen in Cooktown
James Cook Statue im Hafen

Während wir für den Hinweg nach Cooktown noch den Highway durch die Hochebene im Hinterland benutzt hatten, sollte es auf dem Rückweg  und in Richtung des 150 Kilometer weiter südlich gelegenen Cairns an der Küste entlang gehen. Weite Teile dieses Küstenstreifens sind von Regenwald überwuchert, der hier an vielen Stellen – beispielsweise am Cape Tribulation – in beeindruckender Art und Weise auf den Pazifik trifft. Die Regenwaldgebiete dieser Gegend sind im Daintree National Park zusammengefasst. Quer durch den National Park verläuft der Bloomfield Track. Eine Offroad-Piste mitten durch den Dschungel, die Auto und Fahrer einiges abverlangt. Allerdings wurden wir auf der gut zweistündigen Fahrt bei Regen und einsetzender Dämmerung mit großartigen Natureindrücken entschädigt und erreichten schließlich Cairns.

Bloomfield Track
Cape Tribulation

Nachdem die Akkus nach einer Woche Urlaub in Cairns aufgeladen waren, packte uns wieder die Wanderlust. Da uns der Daintree National Park bereits bei grauem Regenwetter gefallen hatte, wollten wir uns die Sache bei Sonnenschein noch einmal genauer ansehen. Dafür ging es zunächst landeinwärts nach Kuranda. In den 70er-Jahren gründeten Aussteiger hier zahlreiche Landkommunen. Inzwischen hat der Tourismus in der ehemaligen Hippie-Oase mitten im Regenwald Einzug gehalten. Nichtsdestotrotz fanden wir das kleine Örtchen mit seinen bunten Märkten und dem Dschungelbahnhof, in dem zweimal täglich die Kuranda Scenic Railway verkehrt, recht beschaulich.

Markt Kuranda
Bahnhof Kuranda

Als wir auf einem der bunten Märkte versehentlich in eine vermeintliche Sackgasse abbogen, an deren Ende eine Tür war, die sich wiedererwartend als unverschlossen erwies und die wir, von Neugier getrieben, durchschritten, fanden wir uns plötzlich inmitten von Tiergehegen wieder. Nach kurzer Orientierungssphase wurde uns klar, dass wir uns – und das sei betont – VERSEHENTLICH durch den Hintereingang in den Zoo geschlichen hatten. Eintrittzahlen ist was für Anfänger. ;-P Ups. Naja, aber nun waren wir ja schon mal drin, da konnten wir uns ja auch mal umsehen. Und es sollte sich lohnen… Nach kurzem Blick auf Python, Koala & Co. erspähten wir das Kängurustreichelgehege, in dem wir den flauschigen Hüpfern, die wir schon so oft aus der Ferne gesehen hatten, mal ganz nahe kommen konnten.

Im Kängurustreichelzoo

Dann geschah völlig unerwartet das Unglaubliche. Der Wombat ist ein pelziger höhlengrabender Pflanzenfresser, gehört zur Familie der Beutelsäuger und kommt ausschließlich in Australien vor. Neben all dem ist der Wombat auch noch Mandys absolutes Lieblingstier. So war die Aufregung riesengroß, als wir während unserer Känguru-Selfie-Session plötzlich das Wombatgehege entdeckten, welches sich ebenfalls im Streichelzoo befand. Mandy war nicht mehr zu halten und als hätte er nur drauf gewartet, wackelte Kollege Wombat ihr auch schon entgegen. Ungläubig stellte Mandy fest: „Ich streichle ’nen Wombat. Ich glaub ich muss gleich heulen.“ Und auch Ben musste zugeben, dass der kleine Kerl echt niedlich ist. 🙂

Wombat
:D:D:D

Der possierliche Beutelsäuger sollte allerdings nicht unser letztes Tiererlebnis an diesem Tag sein. Wir verabschiedeten uns aus Kuranda und waren wieder auf dem Weg Richtung Küste, als Mandy plötzlich aus dem Beifahrersitz hochschnellte. Überall im Daintree National Park warnen Hinweisschilder am Straßenrand vor umherwandernden Kasuaren. Bis dato war uns jedoch bedauerlicher Weise noch keiner der großen flugunfähigen Laufvögel begegnet. Kein Wunder, sind diese doch vom Aussterben bedroht. Aber unverhofft kommt oft und so konnte Mandys spontaner Ausbruch nur eins bedeuten. Sie hatte am Straßenrand einen Kasuar gesichtet. Das etwa 1,60 Meter große Tier streifte unweit des vorbeirauschenden Verkehrs durchs Gelände und ließ sich durch unsere Anwesenheit nicht im geringsten stören. Wir konnten unser Glück kaum fassen und waren gebannt von diesem außergewöhnlichen Vogelexemplar mit dem auffälligen Kopfschmuck.

Kasuar

Unsere Begegnung mit dem drittgrößten Vogel der Welt ließ die anschließende Tour auf der Panoramastrasse entlang der Pazifikküste des National Parks fast in den Hintergrund rücken. Dabei waren die nahezu verlassenen Strände bei einsetzender Dämmerung eigentlich ein echtes Highlight.

Küste Daintree N.P.

Nachdem wir die feuchten Tropen nördlich und westlich von Cairns damit ausgiebig erkundet hatten, wandten wir uns schließlich der Himmelsrichtung zu, die in den kommenden Wochen unsere Reiseroute beherrschen würde. Es ging gegen Süden. Auf unserem Weg nach unten wurden die Regenwaldgebiete zunehmend von ausgedehntem Agrarland abgelöst. Das feucht-warme Klima bietet für den Anbau tropischer Früchte wie Ananas, Papayas oder Bananen optimale Bedingungen. Immer wieder stießen wir am Straßenrand auf kleine Stände, an denen frisches Obst und Gemüse direkt vom Feld für kleines Geld angeboten wurden. Einfach toll und super lecker. 🙂

Einkaufen frisch beim Bauern

Neben Tropenfrüchten ist es jedoch vor allem Zuckerrohr, das sich auf den Feldern in die Höhe reckte. Verarbeitet wird das Zuckerrohr in Fabriken, die uns nun in fast jeder Stadt begegneten. Da stellte sich unausweichlich die Frage: Was geschieht eigentlich auf dem Weg vom Zuckerrohr zum Zuckerwürfel? Auf einer Zuckermühlentour wollten wir diese Wissenslücke ausmerzen. Gesagt, gebucht. In einer zweistündigen Führung durch die Zuckermühle in Mackay erfuhren wir alles über die industrielle Verarbeitung von Zuckerrohr.

Zuckermühle in Tully
Nicht so süß wie erhofft
Da kommt das Zuckerrohr
Es durfte genascht werden.

Nicht mit einer Zuckermühle dafür aber mit einem spektakulären Ausblick wartete Townsville auf, mit knapp 200.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Queenslands. Vom Castle Hill bot sich ein 360-Grad-Ausblick über die gesamte Stadt sowie auf die vorgelagerte Magnetic Island.

Auf dem Castle Hill

Hatten wir ursprünglich noch beabsichtigt, das wenige Kilometer vor der Küste von Townsville gelegene Eiland zu besuchen, waren wir von den unverschämten Fährpreisen so abgeschreckt, dass wir auf die Überfahrt verzichteten. Darüber hinaus war eine Bootsfahrt auch nicht nötig, um an wunderschöne Strände zu gelangen. In Mission Beach fanden wir, ob des australischen Winters, ebenso verlassene Traumstrände wie am Flying Fish Point nahe der Provinzstadt Innisfail.

Mission Beach

Auch wenn die Regenwaldabschnitte gen Süden immer spärlicher wurden, gab es sie doch und unsere Besuche lohnten sich. Im Tully Gorge schoss das glasklare Bergwasser des gleichnamigen Flusses in Stromschnellen gesäumt vom satten Ufergrün durch den Canyon. Im Paluma National Park ergossen sich die Jourama Falls über diverse Felsterassen gen Tal. Nur wenige Kilometer entfernt sprudelte der Crystal Creek durch eine Steinbrücke, die direkt aus einem Grimm’schen Märchen hätte stammen können.

Tully Gorge
Jourama Falls
Crystal Creek

Atemberaubend war der Blick auf die Hinchinbrook Insel, die sich über den Mangrovensümpfen des vorgelagerten Hinchinbrook Kanals erhob. Nicht minder spektakulär war der Blick von der Aussichtsplattform auf den höchsten einstufigen Wasserfall Australiens, die Wallaman Falls. Über 300 Meter überwindet das Wasser hier bei seinem Sturz in die Schlucht.

Blick auf Hinchinbrooke Island
Wallaman Falls

Gerade als wir uns auf den Weg machten, den Abstieg auf den Grund der Schlucht anzutreten, begegneten wir Vanessa und Lorenz, ebenfalls zwei Australienreisende, denen wir zufällig bereits im Kakadu National Park, an den Mataranka Thermalquellen und im Kings Canyon begegnet waren. Tja… Australien ist halt ein Dorf oder es reisen doch alle irgendwie auf den selben Routen. Trotz allem aus unserer Sicht doch ein unglaublicher Zufall und so beschlossen wir, dass wir die nächste Begegnung eben nicht selbigem überlassen sollten sondern einfach ein Stück gemeinsam reisen könnten. Und so kam es dann auch.

Mit Vanessa und Lorenz ging es ans Cape Hillsborough. Hier hieß es früh aufstehen. In den frühen Morgenstunden tummeln sich am Strand des Kaps nämlich stets diverse Kängurus. Kängurus am Strand… australischer geht es wohl kaum. 😉 Oder doch…? Noch am selben Tag ging es ab in den Eungella National Park, der als einer der unberührtesten in ganz Queensland gilt, und in dessen Wildbächen wir Schnabeltiere beobachten. Ebenso tierisch ging es in Rockhampton zu, wo wir den Botanic Garden besuchten, der mit einem kleinen kostenlosen Zoo mit einheimischen Tieren aufwartete.

Cape Hillsborough
Schnabeltier im Eungella N.P.
Rockhampton Zoo

Rockhampton markierte gleichzeitig das Ende unserer Fahrt durch die Wet Tropics of Queensland, die weit mehr zu bieten hatten als nur tropischen Regenwald. Spektakuläre Wasserfälle gehörten ebenso dazu wie ausgezeichnete Strände und charmante Provinzstädte. Abgerundet wurde das ganz noch durch einen Hauch Agrarromantik und Tierbegegnungen ungewöhnlichster Art. Mandy hat einen Wombat gesehen. Da bedarf es eigentlich keiner weiteren Worte. 🙂

Hier geht’s zur vollständigen Fotogalerie.

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