TAIWAN

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Taiwan war ein echtes Überraschungsland auf unserer Reiseroute. Mit Malaysia, Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam hatten wir die Südostasiatischen Länder abgehakt, die wir uns anfänglich vorgenommen hatten. Alles was jetzt noch kommen sollte, war eine Zugabe. Mitte Dezember, etwa zur Halbzeit unserer Vietnamreise, stellte sich für uns die Frage, wo wir ins neue Jahr hineinfeiern wollten. Taiwan zu besuchen, spukte uns schon einige Wochen als fixe Idee durch den Kopf. Und Silvester in Taipeh… na das wäre doch was. Dumm nur, dass wir anscheinend nicht die einzigen waren, die so dachten. Noch dümmer, dass es nur noch zwei Wochen bis zum 31.12. waren. Vor allem die günstigen Unterkünfte waren längst ausgebucht und so starteten die Zimmer auf der Restrampe bei etwa 300 Euro die Nacht. Da stöhnt das schmale Traveller-Budget. Es hieß also umdisponieren. Die Lösung hieß Kaohsiung. „Kaoh-was“, werden die meisten von euch nun sicherlich sagen und so ging es auch uns. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir lediglich, dass Flüge von Hanoi nach Kaohsiung relativ günstig zu haben sind. Also bemühten wir Wikipedia und das las sich dann so: „Kaohsiung ist die zweitgrößte Stadt Taiwans. […] Kaohsiung befindet sich im Südwesten der Insel Taiwan am Südchinesischen Meer und verfügt über den wichtigsten Hafen des Landes. Hier wird der größte Teil der taiwanischen Ölimporte abgewickelt, die von der umliegenden Industrie verarbeitet werden.“ Naja. Das klang nun nicht gerade sexy, aber für eine kleine Silvesterfeierei und als Ausgangspunkt für unseren Taiwan-Trip sollte es doch wohl reichen. Und so ging es am Morgen des 31. Dezember ab nach Taiwan. Hinsichtlich Kaohsiung stellten wir uns zur Sicherheit erstmal auf eine relativ unansehnliche Industriestadt ein. Zu unserer großen Überraschung wurden wir während unseres zweitägigen Aufenthalts jedoch eines Besseren belehrt. Unser Hotel lag mitten im Pier 2 Art Centre. Das ehemals unansehnliche Hafenviertel ist inzwischen ein riesiges Kunst- und Kulturzentrum mit Galerien, Ateliers, ausgefallenen Shops, Restaurants und Cafés. Wir mischten uns unter die zahlreichen einheimischen Sonntagsausflügler und schlenderten zwischen den alten Lagerhallen umher. Nur eine Fährfahrt vom Art District entfernt, liegt die Halbinsel Cijin, historisch gesehen die Keimzelle des späteren Kaohsiung. An diversen Street-Food-Ständen hatten wir dort erstmals die Gelegenheit, uns mit der Taiwanesischen Küche vertraut zu machen. Unter anderem gab es gegrillten Tintenfisch, eine Taiwanesische Spezialität und super lecker. Ein weiterer sehr schöner Ort in Kaohsiung war der Lotussee mit seinen zahlreichen kunterbunten und teilweise recht kitschigen Tempeln und Pagoden.

Pier 2 Art Centre
Street Style
Poser
Blick über Cijin
Qihou Fort
Gegrillter Tintenfisch
Lotussee
Tiger- und Drachen-Pagode
The Dome of Light

Kaohsiung war ein prima Auftakt unser insgesamt zehntägigen Taiwan-Tour, die uns in dem kommenden Tagen die Westküste hinauf immer gen Norden bis nach Taipeh führen sollte. Den Jahreswechsel begingen wir letztendlich übrigens in trauter Zweisamkeit auf einer Hafenkaimauer mit Blick auf die Skyline von Kaohsiung. Den Gin Tonic in der Hand und die Erinnerung an die Ereignisse des letzten Jahres im Kopf konnte man fast schon etwas sentimental werden. Das Jahr 2018 trat ein schweres Erbe an. 2017 zu toppen, dürfte wohl ein hartes Stück Arbeit werden.

PROST NEUJAHR
Bescheidenes Feuerwerk über Downtown

Von Kaohsiung ging es mit dem Zug weiter nach Tainan, in die älteste Stadt Taiwans. Auch diese Stadt gefiel uns auf Anhieb. Das japanisch-chinesische Erbe Taiwans zeigte sich in Tainan sehr deutlich. Planlos stöberten wir durch das Labyrinth aus kleinen Gässchen. Dabei entdeckten wir in Hinterhöfen und an Hauswänden immer wieder kleine künstlerische Niedlichkeiten.

Auf Entdeckungstour in Tainans Nebenstraßen
Schneckchen
Shennong Street

Ein echt abgefahrener Ort, der uns begeisterte, war das Anping Tree House. Für Einheimische galt das ehemalige Warenhaus lange Zeit als verwunschener Ort mit negativer Energie. Seit 2004 ist es eine Attraktion. Nach der Stilllegung des Handelskontors bemächtigte sich ein Banyanbaum des Gebäudes und begann das Gemäuer mit seinen Wurzeln und Ästen zu umschlingen. Inzwischen ist der gesamte Bau von Wurzel- und Astwerk überzogen. Ein faszinierender Anblick und der Traum eines jeden Fotografen.

Anping Tree House
Wurzelpeter
Anping Tree House
Anping Tree House

Weniger begeistert waren wir anfänglich von unserer nächsten Station auf unserem Weg gen Norden. 2013 wurde Taichung, Taiwans drittgrößte Metropole, in einer Studie von den Taiwanesen vor Taipeh überraschend zur lebenswertesten Stadt des Landes gewählt. Wieso, das erschloss sich uns zunächst nicht. Anscheinend waren wir in der falschen Gegend abgestiegen. Ein paar nette Ecken entdeckten wir dann aber doch. In der Painted Animation Lane wurden diverse Figuren aus Comic, Anime und Manga verewigt, darunter auch Klassiker wie Popeye und Super Mario. Ebenso kreativ ging es im Rainbow Village zu. Die Geschichte hinter dem bunt bemalten „Dorf“ ist eine Herz erwärmende. Beim Rainbow Village handelt es sich eigentlich um eine ehemalige Militärsiedlung, in der einst Veteranen untergebracht waren. Im Jahr 2010 begann die Stadtregierung, die Bewohner umzusiedeln und die heruntergekommene Siedlung abzureißen. Als Protest gegen die Vertreibung und den Abriss begann der damals 86-jährige Huang Yong-Fu, Kriegsveteran und Bewohner der Siedlung, die grauen Baracken mit bunten Motiven zu bemalen. Als Studenten der nahe gelegenen Ling-Tung-Universität auf den künstlerischen Protest des Regenbogen-Opas aufmerksam wurden, unterstützen sie diesen, woraufhin die Stadtregierung von Taichung letzlich beschloss, die bemalte Siedlung als Kunstpark bestehen zu lassen. Heute stehen noch etwa fünf mit kunterbunten Tieren und Phantasieformen bemalte Baracken. Ein schöner Ort mit einer schönen Geschichte, über die selbst das Erste Deutsche Fernsehen schon berichtete.

Painted Animation Lane
Finde Benji
Yeahhh!
Rainbow Village
Rainbow Village
Rainbow Grandpa – der Künstler
Herzl

Unser persönliches Taichung-Highlight fanden wir allerdings vor den Toren der Stadt. Denn bei so viel Städte-Hopping zog es uns mal wieder in die Natur. Keine zwanzig Kilometer östlich des Zentrums grenzt das Dakeng-Naherholungsgebiet direkt an die Metrople. Auf zehn Trails kann man dort eine herrliche Berglandschaft erkunden. Das besondere daran, bei den Trails handelt es sich um Holzbohlenwege aus Baumstämmen. Wir entschieden uns für Trail Nr. 4, den – wie wir lasen – anspruchsvollsten der zehn. Morgens ging es mit dem Taxi raus aus der Stadt in die Berge. Bis in die frühen Morgenstunden hatte es ordentlich geregnet und auch jetzt fiel noch der ein oder andere Tropfen vom Himmel. Je tiefer es in die Berge ging, desto schlechter wurde die Sicht. Dichte Nebelschwaden zogen über die grünen Hänge. Unser Taxifahrer wurde zunehmend nervös, fasste sich schließlich ein Herz und fragte uns, ob wir uns sicher seien, dass wir den Trail an diesem Tag laufen wollten. Es sei sehr gefährlich bei diesem Wetter. Auch wir kamen so langsam ins Grübeln. Allerdings hatten wir die hin und wieder etwas übervorsichtige Art der Asiaten zuletzt schon öfter kennen gelernt. Wir hatten unser Ziel inzwischen erreicht und waren immer noch hin und her gerissen. Ben war hoch motiviert und warf zurecht ein, dass man sich auf einem Holzplankenweg selbst bei Nebel nur schwer verlaufen könne. Nach einem letzten Abwägen, war unser Fazit klar: Einfach mal machen. Was soll schon schief gehen. Also ging es los – immer Richtung Nebelwand.

Aufbruch zur Wanderung im Dakeng District
Auf in den Nebel

Schnell stellte sich dann auch heraus, dass unserer besorgter Taxifahrer es wohl tatsächlich etwas zu gut gemeint hatte. Denn gefährlich war hier gar nichts. Zumindest solange man schön aufpasste, wohin man seinen Fuß auf die feuchten Holzstämme setzte. Ziemlich anstrengend war diese Art des Wanderns dafür umso mehr. Belohnt wurden wir dann aber mit tollen Wanderimpressionen. Der Nebel hing wie eine zähe Masse zwischen den Bäumen des Walds und verlieh der ganzen Szenerie etwas Mystisches.

Dakeng Trail Nr. 4
Trotz Bodennebel nicht abgesagt
Auf dem Holzweg
Was für eine Aussicht 😉

Noch am Nachmittag des selben Tages ging es mal wieder mit dem Zug weiter nach Taipeh. Die Hauptstadt sollte der krönende Abschluss unseres Taiwan-Trips werden – der Höhepunkt so zusagen. Einen Höhepunkt erreichte allerdings lediglich die Niederschlagsmenge in den vier Tagen unseres Taipeh-Besuchs. Es war zum verrückt werden. Mit unserer Ankunft setzte ein viertägiger Dauerregen ein. Für die Jahreszeit im Norden Taiwans wohl nichts ungewöhnliches. Für uns trotzdem hochgradig frustrierend. Den Versuch, am ersten Tag dem strömenden Regen zu trotzen und dessen ungeachtet auf Stadterkundung zu gehen, brachen wir nach der Hälfte des Tages ab. Es machte einfach keinen Spaß. Auch wenn uns das, was wir bis dahin gesehen hatten, durchaus gefallen hatte.

Eingang zur Nationalen Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle
Immer schön aufpassen
Huashan 1914 Culture & Creative Park
Xinyi Road mit Taipei 101
Bye bye Taipei

Frustriert ging es zurück zum Hostel, wo wir in den nächsten Tagen die meiste Zeit verbrachten und diese nutzten, um unsere Weiterreise zu planen. Taipeh, das war für uns ein echter Schuss in den Ofen. Auch wenn Biertrinken mit anderen Hostel-„Insassen“ ein gewisser Unterhaltungsfaktor nicht abzusprechen ist. ;-P So plätscherten unsere letzten Tage in Taiwan im wahrsten Sinne des Wortes so vor sich hin. Trotz des ernüchternden Abschlusses waren es insgesamt doch zehn großartige Tage in einem Land, dass uns begeistert hat. Dabei lag die Faszination vor allem in den kleinen Dingen: die unglaubliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, auf die wir angewiesen waren, da wir nicht mal eine Speisekarte lesen konnten, die vielen Winkel und Gässchen, in denen es stets kleine Schätze zu entdecken gab, das leckere und für uns oft ungewöhnliche Essen. All das machte für uns die Faszination Taiwan aus. In zehn Tagen war es uns möglich, einen ersten Eindruck zu gewinnen. Für vieles was Taiwan noch bereithält, fehlte uns jedoch schlichtweg die Zeit. Die kulturell besonders interessante Ostküste und der Süden mit seinen weißen Stränden werden für uns eines Tages genauso Grund sein wiederzukommen wie der Wunsch Taipeh einmal bei Sonnenschein und ohne Regen zu sehen.

Hier geht’s zur vollständigen Fotogalerie.

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