WA | GIBB RIVER ROAD

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„The Last Frontier“ („Die letzte Grenze“) so wird Kimberley – eine Region im äußersten Nordwesten Australiens – häufig genannt. Sie zählt zu den entlegensten Gebieten des Landes. Mit knapp 425.000 Quadratkilometern ist die Kimberley-Region größer als 75 Prozent der Länder dieser Erde. Trotz dieser riesigen Fläche liegt die Einwohnerzahl unter 40.000 (elf Menschen pro Quadratkilometer). Unendliche Weiten, spektakuläre Natur und unberührte Wildnis zeichnen diesen Landesteil aus, der in der Regenzeit (zwischen November und April) regelmäßig großflächig überflutet wird. Quer durch „The Kimberley“ verläuft die Gibb River Road. Die knapp 700 Kilometer lange Traverse verbindet Derby im Westen der Region mit den im Nordosten gelegenen Städten Wyndham und Kununurra. Seit den 60er Jahren ursprünglich für den Viehtransport genutzt, gilt „The Gibb“ heute als das letzte große Abenteuer Australiens. Die Straße ist ausschließlich in der Trockenzeit und auch dann nur von 4×4-Fahrzeugen befahrbar. Wer sich für die Route entscheidet, hat mehr als 600 Kilometer unbefestigte Piste sowie zahlreiche Wasserläufe zu überwinden. Die Mitnahme von ausreichend Wasser, Proviant, Benzin sowie von mindestens zwei Ersatzreifen wird ausdrücklich empfohlen, da eine entsprechende Versorgung kaum, allenfalls im Roadhouse auf halber Strecke, gewährleistet ist. Neben all diesen Unannehmlichkeiten stellt die Gibb River Road einen der besten Wege dar, die Wildheit der Kimberley-Region zu erkunden. Entlang der Route erstrecken sich zahlreiche malerische Schluchten, Flussläufe, Wasserfälle und natürliche Pools.

Eine Strecke also wie gemacht für zwei Outback-Newcomer wie uns. Von Broome ging es drei Stunden Richtung Osten ins knapp 300 Kilometer entfernte Derby. Eine kurze Stippvisite im Visitor Center brachte uns die Gewissheit, dass die Gibb River Road trotz einer der stärksten Regenzeit seit Jahren bereits offen war sowie dass Flüsse bis zu einer Maximaltiefe von 70 Zentimetern zu passieren seien. Nach kurzer Vermessung unseres fahrbaren Untersatzes und mit viel Optimismus beschlossen wir, dass sowohl Fahrzeug als auch Fahrer der Herausforderung gewachsen waren. Einziger Wermutstropfen: Aufgrund der starken Regenfälle in den Vormonaten waren auf der ersten Hälfte der Strecke noch alle Parks und Attraktionen unzugänglich. Schade, aber wir waren uns sicher, dass die Fahrt selbst ein Highlight für sich sein würde. Und so war es dann auch. Wir tuckerten in gemütlichem Tempo über Holper- und durch Schlammpisten. Mehr als 30 bis 40 km/h ließen die Strassenbedingungen meist nicht zu. Dafür hatte man bei Spazierfahrtempo die Gelegenheit die wunderschöne Landschaft zu bewundern. Das trockene Buschland ging allmählich in von hohen Gräsern bewachsenes feucht-sumpfiges Terrain über. Einige Kilometer weiter wuchsen plötzlich und unvermittelt von dickbäuchigen Boab Trees bewachsene Felsen aus dem Boden empor.

So ging es immer weiter und zwischen all dem, keine Menschenseele weit und breit. Einfach herrlich. Nachdem wir die ersten 200 Kilometer in etwa sechs Stunden überbrückt hatten, neigte sich der Tag dem Ende entgegen und wir stoppten für die Übernachtung an einem Aussichtspunkt mit Blick über das Umland.

Ausblick von unserem Schlafplatz

Am nächsten Morgen ging es mit Sonnenaufgang aus den Federn. Der Roadtrip sollte weitergehen und die erste Hälfte der Strecke abgeschlossen werden. Und so kamen wir kurz vor Mittag endlich am ersten offiziell zugänglichen Wasserfall unserer Fahrt an. Darüber inwieweit der zugegebenermaßen doch recht zugewachsene Trampelpfad zum Galvans Gorge tatsächlich Zugänglichkeit aufwies, herrschte bei 50 Prozent unserer Zweipersonenreisegruppe erhöhte Skepsis. Und so bahnte sich Ben im Schlepptau von zwei erfahrenen, rüstigen australischen Rentnern allein den Weg zum Wasserfall, während Mandy vom Auto aus die Gegend auf Krokodil- und Schlangensicherheit prüfte. Wie sich schließlich rausstellte, war die Vorsicht auch nicht ganz unangebracht, da am Galvans Gorge tatsächlich eine Schlange wartete. 😉

Galvans Gorge
Schlange am Galvans Gorge

Trotzdem fasste sich auch Mandy schon bei unserem nächsten Stopp ein Herz und wir streiften diesmal zu zweit am Barnett River Gorge durch das Gelände, badeten im Fluss und verbrachten dort die Nacht. So ging es die nächsten beiden Tage weiter. Immer der Straße entlang und hier und da mal ein Stopp für eine kleine Wanderung. Den Manning Gorge erwanderten wir mit Berliner Unterstützung. Wir hatten Carsten, einen Köpenicker auf Weltreise mit eigenem Gefährt und Berliner Kennzeichen, beim Stopp am Roadhouse kennengelernt und kurzerhand beschlossen die Tour gemeinsam zu machen.

Berliner
Manning Falls

Entspannung fanden wir in den heißen Thermalquellen von Zebedee Springs, die inmitten des Kimberley-eigenen Regenwalds aus dem Fels entspringen. Während wir uns beim Schwimmen unterm Wasserfall im Amalia Gorge bereits im Paradies wähnten, wurde dieser Eindruck bei unserer Abschlusswanderung in den Emma Gorge nochmals übertroffen. Am Ziel angekommen, ergoss sich vor uns inmitten einer kreisförmigen Schlucht ein 40 Meter hoher Wasserfall in einen Pool aus glasklarem Wasser. Der absolute Wahnsinn und eines der schönsten Naturschauspiele, die wir je erlebt hatten.

Zebedee Springs
Amalia Gorge
Emma Gorge

Unsere Erwartungen an den Trip auf der Gibb River Road wurden mehr als übertroffen. In einmaliger Landschaft hatten wir die Gelegenheit, eine echtes Outdoor-Adventure und absolute Abgeschiedenheit zu erleben. Für uns zwei Großstädter waren es vier Tage auf einem 700 Kilometer langen Abenteuerspielplatz, auf dem man unter turmhohen Wasserfällen badet, mit dem Jeep durch Flussläufe heizt und Abends Holz fürs Lagerfeuer sammelt. Eine wirklich tolle Erfahrung und das auch noch ohne Autopanne. Einzig unser Dachgepäckträger musste auf halber Strecke nach dem vielen auf und ab nochmal nachjustiert werden, aber das fällt eindeutig unter Wartung. 😉 Derby to Kununurra ein Riesenspass.

We did it! 😀

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