WA | KARIJINI N.P.

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Der Karijini National Park ging mit reichlichen Vorschusslorbeeren ins Rennen. Wir trafen bereits einige Traveller, die den Park das Highlight ihrer Rundreise nannten. In jedem Fall ist der Karijini National Park die Attraktion im Pilbara, von der wir uns nun selbst ein Bild machen wollten. Charakteristisch für diesen National Park sind die zahlreichen tiefen Schluchten (engl. Gorges), durch die sich mal mehr, mal weniger große Wasserläufe bahnen, welche sich immer wieder in kleinen Steinpools sammeln, um sich nur wenige Meter weiter in dramatischen Wasserfällen zu ergießen. Als zweitgrößter National Park Western Australias hält Karijini zahlreiche solcher Gorges bereit und wir waren voller Vorfreude diese zu erkunden. 
 
Wir starteten unsere Entdeckungstour im Nordwesten des Parks am Weano Gorge. Nur 10min Fußweg vom Auto und schon erreichten wir den ersten Aussichtspunkt. Wow! Wahnsinn! Von der Plattform, auf der wir standen, fiel die Felswand unter unseren Füßen in eine über 100m tiefe Schlucht ab, auf deren Grund sich ein kleiner Fluss zwischen den Felsen entlangschlängelte.
Blick vom ersten Lookout

 

In der Regenzeit schwellen diese Rinnsale zu echten Strömen an. Da April jedoch den Beginn der Trockenzeit darstellt und die Schlucht somit nicht gänzlich unter Wasser stand, hieß es für uns nun: Abstieg in die Tiefe. So beeindruckend der Blick von oben war, unten angekommen und zwischen den Felsen stehend, waren wir nun völlig überwältigt. Links und rechts der aufgetürmte rote Fels und dazwischen das saftige Grün von Büschen und Bäumen, die von glasklarem Wasser umströmt wurden. Einfach wunderschön!
Weano Gorge von oben
Am Fuße des Weano Gorge angekommen
Die Wanderung kann starten
 
Aber mit dem Abstieg war es noch lange nicht getan. Jetzt ging der Spaß erst richtig los. Über Stock und Stein sowie über Flüsse und kleine Wasserfälle bahnten wir uns unseren Weg. Mit Turnschuhen ging es durch die Flüsse und an den Felswänden entlang bis hin zum Handrail Pool. Hier öffnete sich die enge Schlucht zu einem großen Pool eingerahmt von meterhohen Felsen. Wir gönnten uns erstmal eine kleine Abkühlung und erkundeten mehr schwimmend als kletternd auch noch die dahinterliegenden gefluteten Felsgänge, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten.
Gar nicht so tief hier…
Handrail Pool
Auf Entdeckungstour
Zurück am oberen Ende der Schlucht waren wir noch immer in Kletter- und Entdeckerfieber. Also ging es nach kurzer Pause auf der anderen Seite des Plateaus direkt weiter. Ohne Umwege ging es auch hier wieder 100m in die Tiefe Schlucht. Der Abstieg war nicht von ganz so viel Nervenkitzel wie beim ersten Mal geprägt, dafür forderte die Wanderung durch den Spider Walk bis hin zum Kermit Pool, welcher in einer offenen Höhle mit Wasserfall endete, schon noch einiges mehr an Koordination und Trittfestigkeit. Es machte wirklich so viel Spaß und der Weg war das Ziel. Wir waren uns einige, dass wir beide noch nie zuvor eine so beeindruckende Wanderung unternommen hatten.
Spiderman
Vertical Limit
Angekommen im Kermit Pool

Der Tag neigte sich so langsam dem Ende entgegen und wir machten uns auf den Weg zum knapp 20km entfernten Joffre Gorge, um hier den Sonnenuntergang zwischen den Felsen zu genießen. Daraus wurde allerdings nichts… Als wir am Joffre Gorge ankamen hörte Mandy ein ziemlich lautes Zischen, welches eindeutig aus unserem rechten Hinterreifen kam. Wir machten einen kläglichen Versuch das riesige Loch, welches uns ein spitzer Stein eingebracht hatte, mit unserem Reifen-Reparatur-Set zu stopfen, aber das war aussichtslos. Also hieß es jetzt zum ersten Mal in unser beider Leben: Reifenwechsel! Wagenheber drunter und hochpumpen… soweit kein Problem. Nächster Schritt: Radmuttern lösen… puuhh, die hatte anscheinend Hulk angezogen. Aber Ben bekam es mit viel Schweiß (und Fluchen) hin. Nun musste das Ersatzrad, welches unter dem Auto befestigt war, gelöst werden. Auch das haben wir nach einigen Probieren hinbekommen. Jetzt bemerkten wir aber, dass unser riesiges Auto nicht hoch genug gestellt war, um den neuen voll aufgepumpten Reifen zu montieren und unser Wagenheber hatte leider schon seine Kapazitätsgrenzen erreicht… Also alten Reifen wieder drauf, Auto wieder abgelassen, Wagenheber neu positioniert und nochmal von vorn. (Den ersten Versuch, das Auto ohne Reifen wieder abzulassen und sich dabei fast die Bremstrommel zu zerdonnern, lassen wir an der Stelle einfach mal unerwähnt…^^) Nach etwa einer Stunde hatten wir das Ersatzrad drauf und den Sonnenuntergang verpasst. 😉

So eine Sch#$*&!

Am Abend fuhren wir dann zurück nach Tom Price, denn schließlich brauchten wir einen Reifenservice, welcher abgesehen von diesem kleinen Städtchen, im Umkreis von mind. 300km nicht zu finden gewesen wäre. Wir machten noch Halt am Visitor Center, weil es hier eine beleuchtete Sitzgelegenheit gab, wo wir unser Abendessen kochen konnten. Dann gab es zum krönenden Abschluss dieses ereignisreichen Tages noch eine heiße Dusche for free, da jemand vergessen hatte die Duschräume des Visitor Centers abzuschließen. Solche Momente werden schon nach kurzer Zeit zu echten Glücksmomenten für Backpacker wie uns. 😉

Abendessen in Tom Price

Wir suchten uns für die Nacht wieder ein kleines verstecktes Plätzchen und fuhren am nächsten Morgen um 7 Uhr zur Werkstatt. Hier erfuhren wir als erstes den Grund für unser Loch im Reifen. Die Gravel Roads (Kies-Huckel-Pisten) im Park wurden am Tag zuvor frisch abgezogen. Das bringt mit sich, dass sich die fiesen spitzen Steine aufstellen und erst wieder von hunderten von Auto platt gefahren werden müssen. Wer also an diesem Tag keine vernünftigen Off-Road Reifen drauf hatte, wie es bei unserer Hinterachse der Fall war, stand also am nächsten Tag in der Werkstatt auf der Matte. Ein echt lukratives Geschäft für den Chef der Werkstatt und ein ziemlich teurer Morgen für uns. 670$ und eine Stunde später hatten wir dann unseren brandneuen Off-Road Reifen drauf, mit welchen wir nun für die schätzungsweise noch ausstehenden 30.000km durch Australien gerüstet sein sollten.
Nun ging es auf schnellstem Wege zurück in den Park, denn hier gab es noch so einiges zu sehen, was wir uns nicht entgehen lassen wollen. Wir starteten genau da, wo wir am Vortag unfreiwillig abbrechen mussten, am Joffre Gorge. Diesmal schauten wir uns die Schlucht mit ihrem gigantischen Wasserfall aber nicht nur im Halbdunkeln von oben an sondern machten eine kleine, tolle Wanderung im morgendlichen Sonnenschein. Nach einer guten halben Stunde erreichten wir den Wasserfall, genossen den wunderschönen Blick, die Ruhe und die willkommene Abkühlung.

Blick auf die Joffre Falls
Willkommene Abkühlung

Als zweite Etappe des Tages nahmen wir uns den Kalamina Gorge vor. Der Straße hierhin war nur für 4WD Wagen geöffnet, aber mit unseren neuen Reifen alles gar kein Problem. 😉 Die Wanderung war nicht ganz so nervenaufreibend wie die vorhergehenden. Hier stand anstatt Action und beeindruckender Wow-Momente eher Entspannung und die pure Schönheit der Natur auf dem Programm. Genauso entspannend und wunderschön empfing uns dann auch der kleine Wasserfall, welcher sich über flache Stufen in einem ruhigen Flusslauf ergoss. Im Rucksack hatten wir noch einen Rest der Pesto-Nudeln vom Vorabend und machten ein kleines Vesper auf den Steinen am Wasser.

Kalamina Pool
Kleines Vesper

Ben erklomm dann gut gestärkt die Stufen des Wasserfalls und wurde bei seiner Rückkehr von einer Schar Fotografen empfangen. Diese waren jetzt nun nicht wirklich wegen des überaus talentierten Wasserfall-Kletterers Ben gekommen, sondern statteten dem Kalamina Gorge im Rahmen eines Fotoworkshops einen Besuch ab. Für uns war es somit vorbei mit der Ruhe, aber wir hatten noch eine nette Unterhaltung mit dem Guide der Truppe. Er sagte uns, dass er die Deutschen stets als recht abenteuerlustig wahrnehme. Diese Sicht auf uns Deutsche war uns neu. Es freute uns jedoch zu hören, dass uns die Australier für wagemutige Indiana Jones‘ halten. 😉 Teil des Fotografen Teams war, wie wir erfuhren, der Stargast Ken Duncan, welcher einer der bekanntesten Landschaftsfotografen Australiens ist. Wir erlaubten und einen kleinen Scherz und begrüßten ihn mit den Worten: „Hey, you are Ken Duncan, right? We know you in Berlin!“. Er war sichtlich geschmeichelt und wird vermutlich nie erfahren, dass uns der Guide dazu anstiftete und ihn eigentlich wohl kaum jemand in Berlin kennen dürfte –bis jetzt. 😉
Inzwischen war es später Nachmittag und wir fuhren zum Caravan Park des National Parks, wo wir die Nacht verbrachten. Für 20$ gab es nichts außer purer Natur und akuter Dingo-Warnungen. Bis auf eine paar Dutzend Heuschrecken verlief der Abend aber ruhig und so starteten wir am nächsten Morgen, nach einem kleinen Frühjahrsputz, ausgeschlafen zum letzten Teil unserer Tour durch  Karijini.

Sonnenuntergang im Karijini
Good morning!
Frühjahrsputz – roter Sand überall

Im Ostteil des Parks gelegen, fanden wir den Dales Gorge. Hier hieß es wieder mehr wandern als klettern und vor allem viel schwimmen und genießen. Nachdem wir uns von oben schon mal einen Überblick verschafft hatten, wanderten wir in nun schon gewohnter Manier los. Erstes Ziel war der Circular Pool. Ein Steinpool, an dessen Rückseite sich eine mit Farnen bewachsene Steinwand auftürmt, an der sich tropfendes Wasser von überall seinen Weg bahnte. Hier baden zu gehen, war wie schwimmen in einer kleinen Oase.

Angekommen am Circular Pool

Wir wanderten dann entlang des Ufers hin zum Fortescue Wasserfall. Nicht ohne ständig auf der Hut vor Schlangen zu sein, denn das hier war prädestiniertes Schlangengebiet und somit auch die einzige Wanderung innerhalb von drei Tagen, bei der sich Mandy nichts mehr wünschte, als dass sie endlich vorbei sein möge. 😉 Am Wasserfall angekommen gab es erstmal ein kleines Päuschen und einige Kekse, um die wegen der Schlangen strapazierten Nerven zu beruhigen. Der Fortescue Fall war wunderschön und die Ausläufer des Felsens wie eine Art Amphitheater aufgetürmt.

Fortescue Falls

Nun gab es im ganzen Park nur noch einen letzten Pool, bis zu dem wir noch nicht gewandert waren und so taten wir es jetzt. Wir besuchten den Fern Pool, welcher noch heute eine heilige Stätte der Aborigines ist. Die Vegetation kam hier einem Dschungel gleich. Wir sahen riesige Python-Schlangen hoch in den Bäumen, welche darauf hofften einen der unzähligen Flughunde zu erwischen, welche sich ebenfalls hoch in den Bäumen tummelten. Dieser Ort hatte wirklich eine besondere Stimmung und war ein krönender Abschluss unserer dreitägigen Tour durch den Karijini National Park.

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