WA | WAVE ROCK (TESTDRIVE)

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Das Bett war fertig eingebaut und jegliches Camping- und Outback-Equipment zusammengestellt. Nun konnte es auf Testfahrt gehen. Am Morgen beluden wir das Auto und nach anfänglichen Platzproblemen gewannen wir die Partie Tetris für Fortgeschrittene. Alles war verstaut und wir konnten starten. Das erste Ziel lag nicht wirklich weit entfernt. Circa 1,5 km entfernt, wartete der riesige Coles-Supermarkt, denn das Wichtigste fehlte ja noch: Genügend Proviant! Als Selbstversorger im australischen Outback ist Vorsicht stets besser als Nachsicht. (Vor allem ist es wesentlich günstiger, als in den überteuerten Mini-Shops in the middle of nowhere.) Vollgepackt mit Trinkwasser, Spaghetti und Dosenbohnen brachen wir dann am frühen Nachmittag gen Osten zum berühmten Wave Rock auf. Der Wave Rock ist eine etwa 2,7 Milliarden Jahre alte Granit-Felsformation, welche durch Erosion und Witterung über Millionen von Jahren zu einer 110 Meter langen und 15 Metern hohen steinernen Welle geformt wurde.

Nach etwa 30 km passierten wir die Stadtgrenze und sahen zum ersten Mal mit eigenen Augen, wovon immer alle sprachen: unendliche Weiten, schnurgerade, kilometerlange Straßen und keine Menschenseele weit und breit. Mal abgesehen von uns zwei deutschen Outbackgrünschnäbeln. 😉 Unsere offline Karten-App navigierte uns hervorragend durch das unbekannte Terrain. Nach gut zwei Stunden schaute Mandy mal nach, wie weit es noch ist und wo ein guter Platz für ein Päuschen wäre. Dabei fiel uns auf, dass die Stadt Hyden, in deren unmittelbarer Nähe sich der Wave Rock befindet, etwa 150 km von dem Ort entfernt lag, zu dem unser Navi uns leitete… Mhh, was’n da los? Es stellte sich dann recht schnell heraus, dass es noch einen weiteren „Wave Rock“ gibt, welcher sich im Natur Reservat Kokerbin Rock befindet und wohl als der kleine unbekannte Bruder gilt. Da wusste unser Navi also mehr als wir. Umso besser. Da es auf der Strecke lag und wir keinen Zeitdruck hatten, entschieden wir uns kurzerhand, im Reservat Halt zu machen und nachzuschauen, ob der kleine Wave Rock schon mal einen guten Vorgeschmack auf’s Original geben kann. Wir wanderten also drauf los und stellten fest, dass der Wave Rock, naja sagen wir mal ein „Wave Röckchen“ ist und mussten schon ein wenig Schmunzeln, in Anbetracht unseres eigentlichen Tagesziels. 😉

Abendspaziergang um den Kokerbin Rock
Ben vor dem kleinen Wave Rock

Als wir dann noch weiter um den Felsen spazierten, trafen wir mitten im nirgendwo auf Brett, einen auf Anhieb sympathischen Australier aus Perth auf Wochenendausflug. Brett war in einem Dorf unweit vom kleinen Wave Rock aufgewachsen, kannte die Gegend also bestens und so beschlossen wir Umgebung gemeinsam mit ihm noch etwas zu erkunden. Die Sonne stand inzwischen tief und der Tag neigte sich seinem Ende entgegen. Brett hatte sein Nachtlager bereits in der Nähe des Felsens aufgeschlagen und lud uns ein den Abend einfach gemeinsam zu verbringen. Es war inzwischen eh zu spät, um noch weiterzufahren und bei unserer ersten Nacht im Outback (noch dazu beim Schwarz-Campen) einen Local dabei zu haben, erschien uns als gar keine so schlechte Idee. Außerdem war er selbst schon viel durchs Land gereist, sodass wir neben vielen lustigen Storys auch einige nützliches Reisetipps mitnehmen konnten… und er hatte kaltes Bier. 😉 So hatten wir einen unterhaltsamen ersten Abend im Outback gemeinsam mit diesem fröhlichen Aussi.

Brett erklärt uns die Gegend
Schlafplatz am Kokerbin Rock

Noch etwas ungeübt, brauchten wir dann schon noch ein Weilchen, um im Stockdunkeln unser Bett herzurichten, die Vorhänge anzubringen und reinzukrabbeln, was sich fast als die größte Herausforderung darstellte. 😛 Aber mit der Erfahrung kommt die Routine. Schließlich lagen wir dann beide eingemurmelt in unserem fahrbaren Bett umgeben von den Geräuschen der australischen Wildnis. Das war sie dann also, unsere erste Nacht im Auto mitten im Outback. Morgens mit der Sonne im Gesicht aufzuwachen, mitten in der Natur ist ein großartiges Gefühl und von Momenten dieser Art werden nun noch unzählige folgen.

 

Nun freuten wir uns aber erstmal, bald am echten Wave Rock zu sein. Wir verabschiedeten uns von Brett und dem Kokerbin Rock und fuhren los. Nach weiteren zwei Stunden über Landstraßen und vorbei an unzähligen Feldern, erreichten wir die Stadt Hyden und somit auch die erste, einzige und ersehnte Tankstelle. Unsere Kanister auf dem Dach hatten wir für diesen Testdrive noch nicht aufgefüllt und somit wurde es auf den letzten Kilometern nochmal spannend. Aber alles gut gegangen… 🙂 Beim Tanken entdeckte Ben dann noch einen „blinden Passagier“. Während der Fahrt erwischten wir mit der Windschutzscheibe leider einen Vogel und hofften eigentlich, dass der Kleine es – entgegen jeder Wahrscheinlichkeit – vielleicht doch unbeschadet überstanden hat. Dem war leider nicht so. Ganz im Gegenteil klemmte das verunfallte Gefieder recht unschön und alles andere als lebendig zwischen Autodach und Dachgepäckträger. Da lag sie nun also auf unserem Autodach, die etwa dreißig Zentimeter große erste Bewährungsprobe in der Wildnis. In dem Fall war Mandy echt mal froh, kein Mann zu sein und lies Ben das Problem mit einem langen Stock und viel Überwindung lösen.

Sorry, Dude 🙁

 Nach einer Entschuldigung und einem R.I.P. für den Vogel ging es dann zum Wave Rock Camp, wo wir uns für 30$ für zwei Nächte ein tolles Plätzchen für Auto und Zelt raussuchten. Es gab sogar einen Pool, welcher mit 18 Grad allerdings zu viel Abkühlung für unseren Geschmack war. Aber wir waren ja auch nicht für den Badespaß hier, sondern zum Wandern und vor allem, um all unser Camping-Equipment auf die Probe zu stellen. Wir bauten Zelt, Sonnensegel, Tisch, Stühle und Hängematten auf und waren sehr zufrieden mit unserer Ausstattung, welche wir nun für lange Zeit unser neues Zuhause nennen.

Unser Camp

Die nächsten anderthalb Tage erkundeten wir die Gegend am und um den Wave Rock, surften die Welle, schauten am Hippo Yawn-Felsen in den Rachen des Nilpferds, schwammen im glasklaren Wasser des Lake Magic, beobachteten die bunte Vogelwelt und schauten uns über 400 Jahre alte Höhlenmalereien der Aborigines in den Mulka Caves an.

Surfing the Wave
Hippo Yawn

Das war er, unser erster Ausflug und Outback. Wir schliefen im Auto und im Zelt, kochten auf dem Gaskocher und erlebten zum ersten Mal die reine und unberührte Natur Australiens. Der erste Test war also bestanden und unsere Vorfreude auf den Start der „echten“ Tour Richtung Norden war noch gewachsen.

Zuvor ging es für eine Nacht noch ein letztes mal zurück nach Perth. Nochmal ein kurzes Hallo bei Cornelius und noch ein paar Einkäufe, dann brachen wir auf zu unserer Tour d’Australie.

Hier geht’s zur vollständigen Fotogalerie.

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